| | von Petra Schwegler

Alle gegen "Bild": Jetzt rebellieren die Postboten

Der Boykott zieht weitere Kreise: Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der "Bild"-Zeitung” hat Springer vor Monaten den Werbekunden über seinen Vermarkter angekündigt, am 23. Juni allen deutschen Haushalten eine Ausgabe der Boulevard-Zeitung schicken zu wollen – als bundesweites Gratisblatt. Dagegen stemmen sich jetzt – nach den Initiativen "Alle gegen Bild" und Campact – auch die Postboten.

Wie die "Financial Times Deutschland" am Mittwoch berichtet, habe die Post bereits am vergangenen Freitag ihre Zusteller in einem Rundbrief über die anstehende Großlieferung informiert. Es geht immerhin um Post für 41 Millionen Haushalte. Auch der Bildblog hat aus einem internen Schreiben des Verlags zitiert, in dem angekündigt wird, dass die Aktion nun tatsächlich stattfindet. Laut "FTD" sind jetzt aber andere verärgert: die Briefträger. Sie beklagen sich dem Blatt zufolge in Foren über "den großen Stress bei der Verteilung der Kostenlos-Zeitung, fürchten Mehrarbeit und suchen bereits nach kreativen Lösungen". Den Boten stoße besonders auf, dass die "Bild"-Ausgabe samstags ausgeliefert werden solle, heißt es. Grund: Am Sonnabend ist schon die Post-Zeitschrift "Einkauf Aktuell" bundesweit zu transportieren. Pro "Bild"-Exemplar rechne man mit einem Mehrgewicht von 107 Gramm, zitiert die Website Bildblog aus dem Post-Rundbrief.

Seit Wochen können über die Websites alle-gegen-bild.de und campact.de per Online-Formular der möglichen "Bild"-Gratisausgabe eine Absage erteilt werden - nach aktuellem Stand haben dies rund 230.000 Bürger getan. Das Ziel der Initiative sei es, der Springer-Werbeaktion öffentlich eine Stimme entgegenzusetzen, die darauf hinweise, "dass die Bild keine allgemein akzeptierte Zeitung ist und weiterhin Ziel von Kritik sein muss", heißt es dort. Für diese Haushalte hat Springer gesorgt – wie der Bildblog enthüllt: "Alle Widersprecher erhalten am Aktionstag eine adressierte, großformatige Infopostsendung in einem auffälligen roten Umschlag. An Empfänger, die diese Sendung erhalten, darf in keinem Fall die Jubiläumsausgabe vom ASV zugestellt werden", zitiert die Seite aus dem internen Springer-Brief. Springer kommentiert die geplante Aktion nicht.

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