| | von Leif Pellikan

DFL: Rechtepoker endet früher als angekündigt - Liverechte könnten 20 Prozent mehr einbringen

Die Bundesliga hat für ihre Medienrechte ganz offenbar einen sehr großen Scheck auf den Tisch bekommen. Das ist der Ankündigung einer Entscheidung für die Ausschreibung zu entnehmen, die laut DFL nun am 17. April fallen soll. Zuvor sollen die Vereine und Kapitalgesellschaften des Ligaverbandes auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über die Vergabe entscheiden. Das ist deutlich früher, als die DFL ursprünglich für den Vergabeprozess der Rechte für die vier Spielzeiten ab der Saison 2013/14 angedeutet hatte.

Einiges deutet darauf hin, dass entweder die Telekom oder Sky eine ganz große Summe in die Unterlagen geschrieben haben und eines der Angebote für die teuren Live-Rechte-Pakete das nächst höhere um mindestens 20 Prozent übertrumpft. Für Sky sind die Rechte existenziell, die Telekom will die Rechte aus strategischen Gründen. In der Gesamtsumme müsste somit eine Bieterkonstellation das nächsthöhere allerdings ebenfalls entsprechend übersteigen. Eine finale, zweite Bieterrunde würde es im Falle eines sehr hohen Gebotes nicht geben. Diese Logik ergibt sich aus den Ausschreibungsmodalitäten, die der DFL letztlich von der EU-Kommission und dem deutschen Kartellamt vorgegeben wurden. Sollten einzelne Pakete in die zweite Runde gehen, bliebe allerdings nicht viel Zeit. Hierzu eingeladen wird ab kommenden Dienstag. In der nächsten und finalen Spielzeit der aktuellen Rechteperiode kassiert die Liga aus den audiovisuellen Medienrechten geschätzten 440 Millionen Euro. Offiziell kommuniziert waren für vier Jahre durchschnittlich 412 Millionen - wobei jährlich eine Steigerung erfolgt.

Denkbar ist auch, dass ein Dritter ein großes Angebot gemacht haben. Dieter Hahn, Verwalter des Kirch-Erbes hatte auch bei der letzten Vergabe zunächst den Zuschlag erhalten. Der Deal platze allerdings nach einem Veto des Kartellamtes. Hahn hatte jedoch am Mittwoch abgewunken. Ein möglicher Grund ist ein ausgehandelter Vergleich mit der Deutschen Bank. der auf Eis liegt. Hahn, beziehungsweise die Kirch-Erben, hätten eine dreistellige Millionensumme erhalten.

Sollte die Telekom den Zuschlag für ein großes Rechtepaket erhalten, geht der Poker weiter. Der Konzern müsste einen Produktionspartner finden, der eine Sendelizenz bekommt (derzeit: Constantin Medien). Gleichfalls muss der Konzern einen Partner für die Kabelnetz- und die Satelliten-Verbreitung finden, sofern er das Sat-Produkt nicht selbst anbietet. Hier droht der Telekom juristischer Gegenwind. Medienaufseher und Landesmedienanstalten haben bereits mögliche Klagen in Aussicht gestellt. Denn als Konzern, der zu rund 32 Prozent in staatlicher Hand ist, darf die Telekom selbst kein TV-Programm erstellen. Der Streit dreht sich um die Frage, ob ein Konstrukt über einen Partner rechtlich zulässig ist. Sky hatte hierzu ein Rechtsgutachten angeschoben.

Geboten wurde auf 19 Rechtepakete. Im Klassik-Szenario bleibt es beim bewährten Modell mit der „Sportschau“. Im Modell Neue Medien wird das „Sportschau“-Zeit-fenster mit Online-Medien ersetzt. Sky zahlt für die Live-Rechte (Sat und Kabel) und die Online-Highlights in der letzten Rechtesaison der aktuellen Rechteperiode etwa 265 Millionen. Die ARD kommt auf rund 105 Millionen („Sportschau“, die Dritten Programme), die Telekom steuert etwa 27 Millionen bei (IPTV-Rechte). Der Rest entfällt auf diverse Player wie das ZDF (rund 21 Millionen), Sport1 (rund 11 Millionen), Radiopartner und Auslandssender sowie Nebenrechte wie Sammelkarten und den Rechten für die Gastronomie (Sky), die gesondert vergeben werden. Hinzu kommen Einnahmen aus Champions-League und Europa Liga. In Summe spülen die Rechte in der kommenden Saison geschätze 550 Millionen Euro in die Kassen der 36 Proficlubs. 

Mehr zur Bedeutung der Bundesligarechte für Sky lesen Sie in der aktuellen W&V (Ausgabe 14/2012) vom heutigen Donnerstag (5.4.2012).

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