Zu finden in der aktuellen Ausgabe der "Micky Maus Comics": die Sprechblase mit dem Edding-Balken über dem Wort "Holocaust".
Zu finden in der aktuellen Ausgabe der "Micky Maus Comics": die Sprechblase mit dem Edding-Balken über dem Wort "Holocaust". © Foto:Ehapa/Walt Disney/Scan

| | von Petra Schwegler

Ehapas fiese Panne: "Micky Maus“ stolpert über "Holocaust"

Dass die aktuelle Ausgabe der "Micky Maus Comics“ mit einer Schwärzung und mit zwei Wochen Verspätung daherkommt, hat tiefgreifende Gründe: In der deutschen Ausgabe aus dem Ehapa-Verlag hat in einer Episode um das "Fähnlein Fieselschweif" das Wort "Holocaust“ verdeckt werden müssen. Das hat jetzt der "Spiegel“ aufgedeckt.

Zwei Wochen später kommten die "Micky Maus Comics" in den Handel (Ehapa).

Zwei Wochen später kommen die "Micky Maus Comics" in den Handel (Ehapa).

Hintergrund: In "Micky Maus Comics“ bekommen die Fieselschweif-Pfadfinder in einer Episode einen Preis verliehen, da sie einen Waldbrand verhindert haben. Die deutschen Worte lauten: "Auszeichnungen an unsere wackeren und allzeit hellwachen Feuerwachen. Holocaust!" Wobei der letzte Ausruf – der fast wie ein fehlgeleiteter Glückwunsch wirkt – mit schwarzem Strich offensichtlich von Hand übermalt ist.
Was ist passiert? Spiegel Online hat sich das Original besorgt. Und siehe da – die Übersetzung greift den englischen Begriff "Holocaust“ falsch auf. Die US-Version lautet: "Plaques to the Lookouts for pinpointing the awesome Holocaust". Schlicht übersetzt kommt aus: "Medaillen für die Ausgucke, die das Inferno lokalisiert haben.“ "Holocaust“ steht durchaus für "Inferno“ – was die Macher von Walt Disney auch so gemeint haben, ohne jeglichen Bezug zu den Massenmorden der Nationalsozialisten an den Juden. 

"Spiegel Online“ geht auf Spurensuche rund um die Geschichte der Brandstifter, die für "Micky Maus Comics" erstmals seit 30 Jahren komplett neu übersetzt worden ist. Zitiert wird dabei Elke Schickedanz, Pressesprecherin des Ehapa-Verlages, mit einer Begründung: Der Übersetzer habe nichts damit zu tun. In seinem Manuskript tauche der Ausdruck ebenfalls nicht auf. Es sei "ein Reprofehler", so Schickedanz. Der englische Text in der Sprechblase wurde demnach nicht sauber genug entfernt – und just der „Holocaust“-Begriff blieb stehen. Aus diesem Grund ist die gesamte Auflage des Heftes vor dem EVT am 8. Mai zurückgezogen und in der Druckerei in Handarbeit mit Edding bearbeitet worden. Die geschwärzte Version ist seit dieser Woche im Handel.

Laut "Spiegel“ ist allerdings ein geringer Teil der unveränderten Auflage am 15. Mai lokal begrenzt in den Handel gekommen, bevor er am 16. Mai zurückbeordert wurde. "Die wenigen an diesem Tag verkauften Hefte dürften bald gesuchte Sammlerstücke sein“, vermutet Autor Stefan Pannor.

Ehapas fiese Panne: "Micky Maus“ stolpert über "Holocaust"

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