David vs Goliath?:
Empörung der Verlage über Apple bleibt wirkungslos
Die Verlegerverbände VDZ und BDZV kritisierten Apples "Preisüberfall" für ihre Inhalte im App-Store – und ziehen dennoch überwiegend mit.
"Heise macht Apples Preiserhöhungen für Apps und In-App-Käufe nicht mit. Statt teurer werden die digitalen Ausgaben von c’t und iX für das iPad in Zukunft billiger." Diese Ankündigung ist im Nachgang zur Aufregung der Verlegerverbände VDZ und BDZV auf Apples Preispolitik eher die Ausnahme. Zwar ließen die Verbände Anfang der Woche verlauten, Apples "Preisüberfall" im App-Store und iTunes-Store wirke sich als "inakzeptabler Eingriff in die Preishoheit der Verlage aus". Der US-Konzern hatte zuvor die Preisstufen für seine Apps erhöht und das in einer knappen E-Mail in der Nacht zuvor nebenbei erwähnt.
Doch viel passieren wird nicht: Die Verlage ziehen größtenteils mit – beziehungsweise: Sie müssen mitziehen. Beispiel DuMont Net: Bereits eine Stunde nach Ankündigung waren die Abo-Preise der Konzerntitel von "FR" bis Hamburger "Mopo" im App-Store an den vorherigen Preis angepasst. Bei den App-Preisen für Einzelausgaben ging das nicht: So werden die Kunden auf allen Plattformen darauf aufmerksam gemacht, dass die Preise wegen Apples Preismatrix von 79 auf 89 Cent steigen. Burda, Springer, G+J und Condé Nast grübeln beziehungsweise lassen die einzelnen Redaktionen entscheiden.
Dimitrios Argirakos, Account Manager bei der Strategieberatung Kirchner + Robrecht, will nicht ins allgemeine Lamento gegen Apple einstimmen. Die Verlage sollten lieber "in sich gehen und durchdachtere Digitalstrategien entwickeln". Sie hätten die Preishoheit schließlich wissentlich an Apple abgegeben, um "einfach mal dabeizusein". Oft seien sie sich aber nicht bewusst, was dies bedeute, so der ehemalige WAZ-Innovationschef. Nun seien sie in der Realität angekommen.
Ein möglicher Rückgang des "mobilen" Leserstammes könnte der damit einhergehende Schnitt bei den selbst verlängernden Abos bedeuten, fürchtet Florian Pütz. Der Leiter des Verlagsbereiches FAZ.net bedauert, dass Apple mit dem Preisplus auch das altbewährte Verlagsprinzip der selbstverlängernden Abonnements für den Moment aussetzt. Durch die Verteuerung, die die Frankfurter laut Pütz "notgedrungen" mitgehen müssten, würden bestehende Abos auslaufen und müssten von den Lesern neu geordert werden. Wer sich wieder für die "FAZ"-App entscheidet – auch dieser Schritt bleibt dem Verlag erst einmal verborgen. Die direkten Kundenbeziehungen halte im derzeitigen Konstrukt Apple in Händen, so "FAZ"-Manager Pütz.
Im Februar 2011 hatten die Verlage gegen Apple erstmals heftig protestiert. Der Konzern wollte, dass Verlage auch Abos ausschließlich über den Apple-Store abwickeln. Die Verlage hätten so für jedes Abo 30 Prozent an den US-Konzern abgeben müssen und Spielräume bei der Preisgestaltung eingebüßt. Hier hatte Apple eingelenkt. Seither können Verlage auch außerhalb des App-Stores, etwa auf ihrer Website, Abos verkaufen, die die Apple-App mit Inhalten befüllen – ohne Provisionen an Apple abführen zu müssen. Dies oft zu einem günstigeren Preis als im Apple-Store selbst, etwa integriert im Digitalpaket des Verlags. Einzige Bedingung von Apple: Vom App-Store darf kein direkter Link auf dieses Angebot führen. Auch in einer weiteren Sache kam Apple den Verlagen entgegen: Zeitungen und Zeitschriften werden separat im Newsstand präsentiert, in dem man wie in einem realen Presseregal stöbern kann.
Wie Zeit Online oder auch der Spiegel reagieren – das lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der W&V (EVT: 1.11.).
ps/jup