| | von Petra Schwegler

Faxen dicke: Warum der WDR-Rundfunkrat die ARD-Talkshows reduzieren will

Dem WDR-Rundfunkrat qualmen offensichtlich die Ohren – er fordert weniger Talkshows in der ARD. Das Aufsichtsgremium pocht in einem Beschluss auf die "konsequente Reduzierung der Talksendungen". Zurzeit gibt es im Ersten fünf abendliche Talkshows: "Günther Jauch", "Hart aber fair" mit Frank Plasberg, "Beckmann", "Menschen bei Maischberger" und "Anne Will". "Der Rundfunkrat hat ja schon, als die fünf Talkshows gestartet sind, die Sorge geäußert, dass das zu viel sein könnte", sagt die Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi der Nachrichtenagentur „dpa“ in Köln. "Diese Bedenken haben sich bestätigt." Gemeint ist, dass mit der zusätzlichen Verpflichtung von Jauch für den Sonntagabend schon Kritik laut geworden ist.

Die Zahl der Themen und Gäste gebe so viele Talkshows nicht her, kritisiert Hieronymi. In der Summe sei das einfach zu viel. Die Programmmacher müssten nun selbst prüfen, auf welche Weise man die Zahl der Sendungen am besten verringern könne. Es müsse nicht in jedem Fall darauf hinauslaufen, dass ein Format gestrichen werde. Denkbar sei zum Beispiel auch, dass nicht jede Talkshow jede Woche auf Sendung gehe, sondern dass man sich abwechsle. Das sei bei den politischen Magazinen in der ARD ja auch so, so Ruth Hieronymi.

Zu fade? Der Beschluss des Rundfunkrats reibt sich außerdem an dem Einheitsbrei, der nach der Reduzierung der Talkshows übrig bleiben würden. Die verbleibenden Sendungen müssten in Form und Inhalt eindeutig voneinander abgegrenzt werden. Hieronymi: "Beispielsweise könnte sich ein Format auf Vier-Augen-Gespräche konzentrieren, ein anderes auf Wirtschaftsthemen." Das "Format Talk" bedürfe insgesamt innovativer Ideen. Oft seien Dokumentationen besser geeignet, Themen differenziert und umfassend zu behandeln. Falsch ist es nach Überzeugung des Rundfunkrats, immer nur auf die gerade aktuellsten Themen zu setzen. "Dadurch wird die mögliche Themen- und Gästevielfalt unnötig eingeengt", kritisierte der Rundfunkrat. Und: Die Redaktionen sprächen sich untereinander nicht genug ab – was im Vorfeld der Talkschwemme eigentlich als Forderung im Raum gestanden hat. "Eine Wiederholung der immer gleichen Positionen in minimaler Abwandlung ist zu vermeiden. Die Sendungen sollten einen Mehrwert und Erkenntnisgewinn vermitteln."

 

Der Rundfunkrat mahnte auch eine engere Abstimmung mit dem ZDF an, um die zeitliche Kollision von Talkshows zu vermeiden. "Eine solche Dopplung ist nicht im Sinne der Gebührenzahler." ARD und ZDF müssten gemeinsam ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen. Aus den Kreisen der ARD ist bereits Kritik an der Talk-Flut laut geworden – der neue BR-Intendant Ulrich Wilhelm, dessen Haus selbst keine Debatte im Ersten verantwortet, hat bei den Medientagen München im vergangenen Herbst bereits dafür plädiert, eine Bilanz zu ziehen und dann die Talkschiene entsprechend anzupassen.

Die Antwort vom zuständigen ARD-Chefredakteur Thomas Baumann lässt nicht lange auf sich warten; für eine Reduzierung der so genannten Talksendungen im Ersten sieht er "keine Veranlassung“, macht er am Dienstagmittag in einer Mitteilung klar. "Das Publikum jedenfalls scheint von der Qualität unserer Sendungen überzeugt zu sein und beobachtet diese mit zunehmenden Interesse", erklärt Baumann. Der ARD-Chefredakteur verweist darauf, dass seit der Einführung des neuen Programmschemas im Spätsommer 2011 vier der fünf Sendungen teils signifikante Zuwächse in der Akzeptanz verbuchen – nur Reinhold Beckmanns Talk profitiert kaum.

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