Berufe | | von Petra Schwegler

"Irgendwas mit Medien": Jobprofile nach der Digitalisierung

Drucker oder Setzer sucht man in den Jobprofilen zu Medienberufen im Jahr 2014 umsonst. Vielmehr werden junge Menschen nach der umfassenden Digitalisierung der Print-, TV-, Radio- und Filmbranche zu Cross Media Publishern oder Animationsdesignern ausgebildet. Der Screendesigner löst den Grafiker ab, die Gamedesignerin ist die Drehbuchautorin von heute. Krasse Zahlen nennt eine Sonderauswertung der Daten des Statistischen Bundesamtes zur Druckindustrie und in der Verlagswirtschaft: In den Druckereien fielen seit 1991 und bis 2011 rund 185.000 Arbeitsplätze und damit fast die Hälfte aller Stellen weg, bei den Verlagen wurden rund 85.000 Stellen gestrichen. Die meisten Mitarbeiter haben die Printhäuser allein in den letzten fünf Jahren ziehen lassen – über 40.000.

Wie sehr sich die Berufsbilder in den Medien nach der Digitalisierung verändert haben, zeigt ein Blick auf den kommenden "Talent Day Medien + IT" am 11. November in Hamburg. Im Informationsportal aufgelistet sind auch diejenigen Berufsbezeichnungen, die sich in der Arbeitswelt neu eingebürgert haben. Einige Beispiele sind eingangs schon erwähnt. Weitere Jobprofile der Medien nach der Digitalisierung lauten: Affiliate Marketing Manager, Assistent für Screendesign, Online Marketing Manager, Videojournalist oder Web-Producer; einen Überblick über heute gängige Jobs ist hier zu finden. Wenn schon Print, dann muss Digital dabei sein. Natürlich gibt es den Reporter nach wie vor. Oder den Cutter. Aber diese klassischen Medienberufe dürften in einer aktuellen Umfrage des Instituts Trendence unter 12.000 Jugendlichen gemeint sein, wonach sich Schüler der Klassen acht bis 13 lieber der Polizei als ProSiebenSat.1 oder Springer zuwenden. Offenbar hat sich herumgesprochen, dass viele Jobs in den Medien unsicher sind und eher wenige Medienschaffende richtig gut verdienen. Kein Wunder, dass der Hamburger "Talent Day" den Untertitel trägt: "Irgendwas mit Medien war gestern!".

Zurück zum Talente-Tag, hinter dem die Stadt Hamburg und die dortige Handelskammer stehen. Unternehmen der digitalen Wirtschaft präsentieren dabei ihre Branche sowie berufliche Tätigkeiten vor Schülern der Studienstufe sowie staatlicher Medien- und IT-Berufsfachschulen in Hamburg und erhalten so die Möglichkeit, "Nachwuchs kennen zu lernen, der für ihre Branche brennt", wie es in einer Beschreibung heißt. Im Gegenzug darf der Nachwuchs auf Entdeckungsreise in die Berufswelt gehen, hinter sonst verschlossene Türen blicken und wertvolle Profitipps von Brancheninsidern zu Einstiegs- und Ausbildungsmöglichkeiten erfahren.

Dieses Jahr werden unter anderem der NDR oder RTL Nord auf der Medienseite, aber auch Werbe- und Mediaunternehmen wie BrawandRieken, Serviceplan oder SinnerSchrader ihre Türen beim "Talent Day Medien + IT" öffnen. Gerade die Kreativen klagen seit Jahren über Nachwuchsmangel und nehmen nun über die Initiative der Stadt Hamburg den Kontakt zu möglichen künftigen Werbern auf.

Eine Institution, die in einem neuen Berufsfeld ausbildet, ist die Leipzig School of Media. Sie hat 2013 den deutschlandweit ersten Studiengang zum Berufsfeld "Mobile Marketing" gestartet, eine berufsbegleitende Hochschul-Offerte. Dort stehen Stipendien zur Verfügung, um die Studiengebühren um ein Viertel senken zu können. Zugelassen werden dort Kandidaten mit einem mindestens sechssemestrigen Hochschulstudium sowie mindestens einem Jahr Berufserfahrung in einschlägigen Berufsfeldern. Studienstart in diesem Jahr ist am 23. Oktober. Bewerbungen werden bis zum 30. September angenommen.

Und was, wenn der ausgebildete Mobile-Marketing-Experten oder Träger neuer Titel wie "Chief Digital Officer" oder "Big Data Manager" ganz nach oben kommen wollen? Glaubt man dem Headhunter Ewald Manz, den W&V Online vor einiger Zeit interviewt hat, dann müssen folgende Eigenschaften zusammen kommen: "Immer wichtiger wird vorausschauendes Agieren, um technologische, kulturelle, demographische und sonstige entscheidende Veränderungen frühzeitig zu erkennen und das Handeln sowie die Produkte rechtzeitig daran anzupassen. Das Verbraucherverhalten und den Wertewandel muss man ebenso im Auge behalten wie den Markt an sich. Immer mehr werden Manager branchenübergreifend denken und handeln müssen, um neue Wachstumschancen konsequent zu nutzen und neue Wettbewerber sowie Trends frühzeitig zu erkennen." Und: "Ohne technologische und digitale Kompetenz geht es einfach nicht mehr!"

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