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Katja Riemann mit verschränkten Armen auf dem "Roten Sofa" im NDR-Fernsehen...
Katja Riemann mit verschränkten Armen auf dem "Roten Sofa" im NDR-Fernsehen... © Foto:Youtube/Screenshot

Verpatztes Interview | | von Franziska Mozart

Katja Riemann gelangweilt im NDR

"Lieber Hinnerk, das ist mir jetzt echt zu anstrengend", stöhnt Katja Riemann auf dem Roten Sofa in der NDR-Sendung "Das!". In dem 45 Minuten langen Interview gibt die Schauspielerin dem Moderator Hinnerk Baumgarten mehrmals deutlich zu verstehen, dass sie mit seiner Gesprächsführung nicht einverstanden ist. Stefan Niggemeier hat die Highlights der Sendung zusammengefasst:

Ein Einspieler zu Riemanns Kindheit ist ihr "wahnsinnig" peinlich, Fragen zu ihrer Musik oder Schauspielerei will sie nicht beantworten. Die Diva lässt den Moderator gnadenlos auflaufen. Der jedoch bleibt professionell und meistert die Situation - so gut es eben geht. SZ Online findet, "Hinnerk Baumgarten klingt sehr froh, als der Abspann endlich läuft."

Die Sympathien sind eindeutig verteilt. Das zeigt sich auch in den Kommentaren auf den Facebook-Seiten von Katja Rieman, der Sendung und Hinnerk Baumgarten.

Katja Riemann gelangweilt im NDR

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Nase voll nach dem NDR-Talk: Katja Riemann sperrt Gästebuch

von Petra Schwegler

Die Schauspielerin Katja Riemann hat nach heftigen Reaktionen auf ihren aufsehenerregenden Fernsehauftritt beim NDR-Abendmagazin "Das!" das Gästebuch ihrer Webseite gesperrt. "In den letzten 48 Stunden haben wir weit über 15 000 Kommentare, eMails und Gästebucheinträge zum TV-Auftritt von Frau Riemann in der Sendung Das! gelesen. Jeder hatte Zeit seine Meinung kundzutun. Irgendwann ist genug", steht am Montagvormittag auf der Seite der 49-Jährigen zu lesen. Das Gästebuch sei "deaktiviert". Laut "Bild.de" hat Riemann zugleich ihre Facebook-Seite mit Kommentarmöglichkeit gesperrt.

Zum Hintergrund: Das Interview aus dem NDR-Abendmagazin "Das!" mit der ungehaltenen Katja Riemann macht seit einigen Tagen im Internet Furore. Allein bei YouTube verzeichnete ein Zusammenschnitt des Interviews vom Donnerstagabend, in dem Riemann den Moderator Hinnerk Baumgarten in einer Tour auflaufen ließ, mehr als 500.000 Klicks. Hier das Video:

Das "Rote Sofa" der NDR-Reihe ist schon anderen Prominenten zum Verhängnis geworden. Im vergangenen Jahr hat sich Jenny Elvers-Elbertzhagen dort lallend zu Wort gemeldet – damit sind die Alkoholprobleme der Schauspielerin offensichtlich geworden. Wenige Tage später begab sie sich in den Entzug.

ps/dpa

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben

Matthias Onken kommentiert: "Zu Katja, Frau Riemann!"

von

Matthias Onken kennt sich mit Promis und ihrer Inszenierung aus: Der Talkshow-erfahrene Medienberater war Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost" und Redaktionsleiter von "Bild" Hamburg. Für W&V Online kommentiert er den umstrittenen Auftritt von Katja Riemann im NDR.

Von Matthias Onken

Ach ja, die Katja. Immer so schön direkt. "Also wenn ich dürfte, dann würde ich Sie jetzt küssen." Gestand sie einer Journalistin mal nach einem Interview. Weil’s so toll gelaufen war. Weil ihr die Fragen gepasst haben. Weil sie das Niveau niveauvoll fand.

Den netten Hinnerk vom roten NDR-Sofa hätte sie im Leben nicht geküsst. Weil’s so doof gelaufen war bei ihrem PR-Auftritt zum neuen Film. Weil Herr Baumgarten Fragen gefragt hat, die Katja überfordert haben. Das hat sie nicht zugegeben, selbstverständlich nicht. Stattdessen zeigte sie ihre schauspielerische Durchschnittsbegabung und tat so, als seien ihr die Themen zu billig. Oder zu daneben. Dann wiederum erschien ihr thematischer Tiefgang am NDR-Vorabend fehl am Platze. Zu ihren Nicht-Antworten befolgte Katja artig Regieanweisungen an sich selbst: Guck weg! Lächle gequält! Wirk verständnislos! Wuschel betreten in den Haaren!

Auweia. So schlecht hatte man sie dann auch wieder nicht in Erinnerung.

Schon die erste Frage nach der Typveränderung für ihre Filmfigur hatte ihr nicht gefallen. Die zweite wollte sie nicht verstehen. Statt nachzufassen, beantwortete Baumgarten sie lieber schnell selbst. Ein harmloser Einspieler brachte den Couch-Gast dann so von der Rolle, dass endgültig Schluss war mit professionell. Die MAZ erinnerte an Katjas Kindheit auf einem Kuhdorf. Ein Griff ins Klo der Redaktion: „Intim, intim, das geht keinen was an!“, erregte sie sich, als seien private Nacktbilder veröffentlicht worden.

Ab diesem Moment hätte man ihr gewünscht, sie wäre aufgesprungen und aus dem Studio geflitzt. Aber nein: Katja blieb, tat schrecklich gelangweilt und ließ an keiner Frage mehr ein gutes Haar. So zierte und blamierte sie sich durch die Sendung. Wo sie gern Diva gewesen wäre, war sie bestenfalls Zicke.

Der Moderator lächelte tapfer, versuchte die tapsige Katja zu stützen, ihr Brücken zu bauen, um sich zu fangen. Sie ignorierte es. Spätestens da hätte ein bisschen Klartext nicht geschadet. Zum Beispiel: "Frau Riemann, meine Themen sind Ihnen zu blöd. Erzählen Sie uns etwas weniger Belangloses!" Oder: "Sie haben heute einen richtig schlechten Tag, nicht wahr?"  Wenn’s schon aus dem Ruder läuft, dann doch gleich richtig. Natürlich weiß Katja wie Film-PR geht. Auch, wenn sie mal nicht gut drauf ist. Ein Leichtes wäre es gewesen, das Interview sympathisch zu parieren, den Ball selbst aufzunehmen, den Spielverlauf charmant zu ändern. Business as usual in ihrem Geschäft.

Aber nein. Am Ende war sogar das Studio zu hell. Du meine Güte. Da brauste dann mal ein ordentlicher Drecksorkan durch Foren und Facebook. Alles gelöscht und abgeschaltet. Apropos abschalten: Ich guck Ihre Filme seit Anfang der Neunziger nicht mehr. Wie kann ich nur? Ganz einfach: Sie sind mir echt zu Katja, Frau Riemann!

Der Autor ist Medienberater, Journalist und Autor des Buchs „Bis nichts mehr ging – Protokoll eines Ausstiegs“ (Rowohlt)

von - Kommentare Kommentar schreiben

Verabredungen missachtet? Katja Riemann keilt nach missglücktem NDR-Talk zurück

von Petra Schwegler

Nach dem viel diskutierten TV-Interview in der NDR-Sendung "Das!" hat Schauspielerin Katja Riemann Unverständnis über den Wirbel geäußert. "Am Donnerstag vergangener Woche hat sich offensichtlich ein Phänomen ereignet. Ich versuche bislang es zu begreifen... vergebens", schreibt die 49-Jährige auf ihrer Homepage. Sie gibt aber immerhin zu: "Ich habe wahrhaft bessere Interviews gegeben!" Und dann greift sie den NDR und den Moderator Hinnerk Baumgartenan, der im Social Web für seine Performance ebenfalls Kritik hinnehmen muss. Riemann nennt es nun "eine traurige Sache, wenn Verabredungen während einer Sendung nicht eingehalten werden" - doch davon müsse man wohl ausgehen, wenn man sich öffentlich bewege. Die Mimin wird deutlich: "Es ist irre lustig, wenn ein Moderator zwischen den Gesprächen sich in der Kamera spiegelt und laut äußert, wie geil er aussieht..."

Das lässt zumindest der "Das!"-Verantwortliche Thomas Kühn, beim NDR Abteilungsleiter Vorabendmagazine, nicht auf sich sitzen. Er sagt am Mittwochabend der Nachrichtenagentur "dpa": "Wir können den Vorwurf, es seien Verabredungen während der Sendung nicht eingehalten worden, überhaupt nicht verstehen." Grundsätzlich führe eine Mitarbeiterin ein Vorgespräch mit dem Gast, in dem auch die Sendung erklärt werde. Dies sei bei Frau Riemann auch noch einmal direkt vor der Sendung geschehen. Kühn: "Es gab auch keinerlei Vorgaben von ihrer Seite, an die wir uns nicht gehalten haben könnten."

Zur Erinnerung: Das Gespräch vom vergangenen Donnerstag im Abendmagazin "Das!", in dem die Chemie zwischen Riemann und Moderator Hinnerk Baumgarten sehr offensichtlich nicht stimmte, war in wenigen Tagen zum Internet-Hit geworden. Allein ein Zusammenschnitt bei YouTube verzeichnete bis Mittwochabend fast eine Million Klicks. Im Internet wurden das Interview und sein zäher Verlauf tausendfach kommentiert - vielfach hämisch und teilweise auch beleidigend. Riemann schreibt nun, ihre Facebook-Seite und ihre Homepage – sie hat sie Anfang der Woche gesperrt - seien "unter dem virtuellen Wirbelsturm" zusammengebrochen. Sie stellt einige rhetorische Fragen: "Gibt es Verhaltenskodexe in öffentlichen Formaten, die mit der Abwesenheit von Wahrhaftigkeit zu tun haben?" Riemann räumt ein: "Ja, es ist die Wahrheit, dass ich meinen Beruf liebe und gern über meine Arbeit spreche; wahr ist auch, dass das Reden über meine Person, oder Personen in meinem nahesten Kreis, mir schwer fällt." Katja Riemann dankt auf ihrer Homepage Familie, Freunden und Kollegen, die ihr "in der Dunkelheit ein Licht" angemacht hätten, außerdem auch "jenen Journalisten, die so kluge, sachliche Artikel verfassten".

ps/dpa

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben

"Wir sind Riemann": Warum wir alle aneinander vorbeireden

von Markus Weber

Das Interview von Hin­nerk Baum­gar­ten mit der Schauspielerin Katja Riemann auf dem roten "Das!"-Sofa bewegt die Gemüter, weil es ein besonders peinliches Gesprächsdokument ist. Oder vielleicht auch deshalb, weil es ein ganz typisches Dokument unserer Zeit ist. Denn es zeigt exemplarisch - und in seiner Überspitzung besonders deutlich -, wie Kommunikation inzwischen häufig stattfindet. In großen Talkrunden fällt es nur nicht so auf, wie jeder Teilnehmer ausschließlich seine Ego-Soße über das angeblich vorgegebene Thema gießt. Im Zwiegespräch tritt es eben schneller zu Tage - dann kommt es zur "Gesprächskarambolage".

Das Nicht-Gespräch zwischen Baumgarten und Riemann bewegt die Gemüter, weil hier zwei Ichs komplett aneinander vorbeireden (Riemann: "MIR ist das peinlich" - Baumgarten: "ICH hätte mich gefreut"). Aber sind wir mal ehrlich: Das ist doch die häufigste Art, wie heute miteinander kommuniziert wird. Wir haben fast vollständig die Fähigkeit verloren, uns in Menschen hineinzuversetzen, die einfach anders ticken als wir. Dieser Perspektivenwechsel scheint dem Menschen des 21. Jahrhunderts unmöglich zu sein. Vielleicht haben wir auch nur keine Lust dazu.

"Das geht gar nicht", lautet unsere routinemäßige Floskel, mit der wir im Alltag ausdrücken, dass wir ein komplettes "Anderssein" a) missbilligen und b) keine Lust haben, uns näher damit zu beschäftigen. Die Folgen einer solchen Haltung sind katastrophal: Ganz gleichgültig ob Privat, im Beruf, in der Wirtschaft oder auf der politischen Weltbühne - Karambolagen tun immer weh. Gerade für die Kommunikationsbranche ist es das Wichtigste überhaupt, sich in fremde Köpfe hineinversetzen zu können.

Warum sind wir so geworden, wie wir sind? Weiß der Teufel. - Am guten Willen der Menschen mangelt es wohl nicht. Vielleicht hat es damit zu tun, dass unsere Generation nicht mehr in Großfamilien aufgewachsen ist, keine Ahnung. Was man dagegen tun kann? - Durchmischt die Leute! Und zwar von der Kinderkrippe bis hinauf in die Universität. Nichts ist schlimmer, als ständig immer nur unter seinesgleichen zu sein.

von Markus Weber - Kommentare Kommentar schreiben

Niggemeier zur Riemann-Diskussion: "Die falsche Debatte"

von Markus Weber

In einem doppelseitigen Beitrag im heutigen "Spiegel" (Ausgabe 13 v. 25.3.) drückt der Medienjournalist Stefan Niggemeier sein Bedauern darüber aus, mit seinem Zusammenschnitt aus der "Das!"-Sendung mit Katja Riemann eine völlig falsche Debatte angestoßen zu haben. Er habe nach Veröffentlichung des Videos höchstens mit einem "kleinen medialen Schluckauf" gerechnet, stattdessen habe er damit "einen gewaltigen und nicht enden wollenden Rülpser ausgelöst". Dies habe er weder gewollt noch kommen sehen.

Niggemeier schlägt sich in seinem Beitrag klar auf die Seite der Schauspielerin - so wie das die meisten seriösen Medien seit Aufflammen der Diskussion tun. Unter anderem beklagt er den "plastikhaften Fließbandwahnsinn, der da - nicht nur - an jedem Nachmittag und Vorabend in den vielfältig einfältigen dritten Programmen stattfindet".

W&V Online hat am vergangenen Freitag versucht, jenseits aller Empörungs- und Solidaritätsbekundungen in der Riemann-Debatte neue Denkanstöße zu geben (Kommentar "Wir sind Riemann": Warum wir alle aneinander vorbeireden).

von Markus Weber - Kommentare Kommentar schreiben