| | von Katrin Otto

MDR prescht nach vorn: ARD plant Jugendkanal mit ZDF

Nun wird es konkret. Der MDR will die jungen Zielgruppen angehen. Und lässt sich in seine Karten blicken: Jetzt hat der Rundfunkrat der Leipziger Rundfunkanstalt ein gemeinsames Senderkonzept von ARD und ZDF für einen Jugendkanal beschlossen. Argument:  Der Erfolg von KiKa zeige, dass es möglich sei, dass die beiden Öffentlich-Rechtlichen ein gemeinsames, inhaltlich hochwertiges Programm für die Jüngsten veranstalten könnten. Kurzum: ARD und ZDF sollen einen trimedialen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal für die Zielgruppe ab 14 Jahren an den Start bringen.

"Die Mediennutzung junger Leute weicht stark von herkömmlichen Mustern ab. Sie wollen Angebote nutzen wann sie wollen, wo sie wollen und auf welchem Weg sie wollen.", so MDR-Intendantin Karola Wille. Deshalb soll der Kanal  TV, Internet und Radio eng verknüpfen. Das Angebot soll Inhalte der jeweiligen Landesrundfunkanstalten enthalten, dazu gehörten die Angebote der Hörfunkwellen und der Telemedien. Ein solcher Kanal sei Bestandteil eines Gesamtkonzepts zur Erreichung junger Zielgruppen. "Die Zeit ist reif", sagt der Rundfunkratsvorsitzende Horst Saage.

Das Vorhaben ist einmal mehr Steilvorlage für den ARD-kritischen Privatfunkverband VPRT. Er will in dem Antrag auf einen zusätzlichen Jugendkanal der Öffentlich-Rechtlichen erkennen, dass der Digital-Auftrag mit sechs Kanälen „auf breiter Basis gescheitert“ sei, wie es VPRT-Präsident Jürgen Doetz formuliert. Währenddessen würden die Hauptprogramme weite vor sich hin „überaltern“. Der Verband fordert ein Ende des „Verwirrspiels“ und rügt die „unausgegorene Programmstrategie der Anstalten“. Jetzt müsse das gesamte Digitalkanal-Konzept auf den Prüfstand, so Doetz.

Das Projekt eines gemeinsamen Jugendkanals steht schon länger im Raum. Ob sich das ZDF beteiligt ist offen. "Sollte dies nicht möglich sein", empfiehlt der Rundfunkrat, "dass die ARD einen eigenen Jugendkanal startet". Das ZDF betreibt bereits den digitalen Sender ZDFneo für jüngere Zielgruppen. Eigentlich hat auch die ARD schon ein junges Angebot - den vor Kurzem auf jung getrimmten Digitalkanal EinsPlus.

Des Weiteren mischt sich der MDR in die Debatte um die Zukunft der ARD-Talkshowleiste ein - nach WDR und NDR. Auch der MDR wünscht sich, dass die Zahl von fünf Talks pro Woche wieder reduziert würde. Auch eine stärkere inhaltliche Abgrenzung ist gefordert. Doch so schnell geht das nicht: Die Verträge mit den Talkmastern der ARD laufen teils im Jahr 2013 aus. Bis dahin wollen sich die Rundfunkräte der ARD-Sender nun auf eine gemeinsame Linie einigen.

ko/ps

MDR prescht nach vorn: ARD plant Jugendkanal mit ZDF

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SWR plant mit Jugendkanal ab 2016

von Petra Schwegler

Im Oktober wollen die Ministerpräsidenten der Länder über den geplanten Jugendkanal von ARD und ZDF abstimmen. Der bei der ARD zuständige SWR trommelt ab sofort mit einer multimedialen Broschüre für das Vorhaben, die der Sender online gestellt hat. Via Twitter verbreitet die SWR-Pressestelle die "guten Gründe für das Jugendangebot". Daraus geht hervor, dass auf einen Start im Jahr 2016 hingearbeitet wird und dass ARD und ZDF für den Jugendkanal 45 Millionen Euro intern aus den Etats der Digitalkanäle umschichten wollen. Einsfestival, das jetzt junge EinsPlus und ZDFkultur sollen dafür eingestellt werden. Motto: "Aus drei mach 1". 30 Millionen Euro soll demnach die ARD beisteuern, 15 Millionen das ZDF. Ein Großteil dieses Etats soll aus dem frei werdenden Budget der anderen Spartensender gestemmt werden.

In der Broschüre versichert der SWR, dass das neue crossmediale Angebot für alle Kanäle keinen aufwändigen neuen Apparat erfordere, "weil es auf vorhandene Strukturen setzt – sowohl personell, räumlich als auch technisch". Produziert werde in bereits bestehenden Redaktionen, jeder Sender werde auf Grundlage eines Verteilungsschlüssels Programm zuliefern, heißt es da. Und: "Eine kleine Geschäftsführung wird das Gesamtangebot koordinieren und steuern." Wenn sich alle 16 Regierungschefs für das crossmediale Jugendangebot im Herbst entscheiden würden, könne es "voraussichtlich im Jahr 2016 an den Start gehen", so der SWR. Auch das Programmkonzept für die junge Zielgruppe wird vorgestellt: "Interaktive Livesendungen, Nachrichten für die Zielgruppe, spannende Reportagen, junge Comedy, Spielfilme aus dem Repertoire von ARD und ZDF, Musik- und Sportevents." Das sei alles im Budget enthalten, weil die Sendermütter "bereits vorhandene Strukturen und Synergien nutzen und neue, günstige Produktionswege etablieren werden".

Der gemeinsame Jugendkanal für ARD und ZDF hängt seit dem Frühjahr in der Schwebe, zumal sich die Sender bei Finanzierung und Umsetzung noch nicht einig gewesen sind. Daher haben die Landesväter ihre Entscheidung erst einmal ausgesetzt und auf den Herbst vertagt. Im März hatte der federführende SWR noch einen Start im Herbst 2015 für möglich gehalten. Schon damals gab SWR-Intendant Peter Boudgoust die Losung aus, dass nach dem Abnicken des Projektes ein gutes Jahr ins Land ziehen würde, bis der Sender an den Start gehen könne.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben