| | von Christof Wadlinger

Media-Analyse: Zeitschriftennutzung leicht rückläufig

„Glamour“, „TV 14“, „Welt der Wunder“, „Cosmopolitan“, „FHM“ und „Jolie“ – so heißen die größten absoluten Gewinner in der heute veröffentlichten Media-Analyse 2010 Pressemedien I (MA). Alle genannten Magazine steigerten in der Reichweitenerhebung die Zahl ihrer Leser pro Ausgabe gegenüber der vorhergehenden MA um mindestens 100.000. Prozentual legte neben „Glamour“ und „FHM“ noch „GQ“ am meisten zu: Die Titel steigerten ihren Nutzerkreis um jeweils mindestens ein Fünftel.

Veröffentlicht werden die Daten zweimal jährlich von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. (AG.MA). Basis für die Reichweiten- und Zielgruppendaten der Zeitschriften sind dabei 39.000 Interviews in der Bevölkerung ab 14 Jahren. Die Gesamtbilanz fällt laut AG.MA ernüchternd aus: „Die Gesamtreichweite der Zeitschriften sinkt um 0,6 Prozent“, teilt die Arbeitsgemeinschaft mit. Laut der Erhebung nutzen aber nach wie vor 60,3 Millionen Deutsche ab 14 Jahren mindestens eine der rund 162 abgefragten Zeitschriften.

Die Mehrheit der Titel musste Lesereinbußen hinnehmen: Nicht einmal jedes dritte Objekt weist gestiegene Leserzahlen aus. Am meisten rückläufig entwickelte sich mit 640.000 Lesern weniger die „ADAC-Motorwelt“. Das Mitgliedermagazin ist bei einer Reichweite von fast 17,7 Millionen aber dennoch der mit Abstand meistgenutzte Titel. Weitere große Verlierer sind auch „Bild am Sonntag“ (minus 440.000 auf 10,07 Mio.) und „Sport Bild“ (minus 320000 auf 4,24 Mio.). Letztgenanntes Heft dürfte unter wenig sportlichen Highlights 2009 gelitten haben. Auch der Wettbewerber „Kicker“ (minus 200.000 auf 2,95 Mio.) und „Bravo Sport“ (minus 30.000 auf 0,57 Mio.) bauten ab.

Unter den Magazinen mit rückläufigem Trend finden sich neben der „BamS“ die weiteren großen Wochentitel: Der „Spiegel“ büßte 210.000 Leser ein, die Reichweite schrumpfte auf 5,91 Millionen Nutzer, der „Stern“ verlor 190.000 Leser (Reichweite: 7,28 Mio.), bei „Focus“ waren es 110.000 (Reichweite 5,24 Mio.). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Wochenzeitungen: Die „Zeit“ verlor 140.000 Nutzer (Reichweite 1,51 Mio.), die „Welt am Sonntag“ fiel mit einem Rückgang von 120.000 sogar unter die Eine-Million-Leser-Marke (Reichweite: 0,96 Mio.). Dadurch wurde auch der Abstand zum Konkurrenten „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ kleiner: Die „FAS“ kommt mit 50.000 Lesern weniger nun auf eine Reichweite von 0,92 Mio.

Im Gesamtvergleich der Verlage verteidigte Hubert Burda Media seine Spitzenstellung. Die Magazine aus dem München-Offenburger Medienhaus erreichten 32,47 Millionen Leser. Dies entspricht einem Minus von rund 590.000 Lesern. Die Bauer-Verlagsgruppe folgt mit 30,78 Millionen Lesern und einem Minus von 110.000 Lesern. Damit konnten sich die Hamburger deutlich vom Konkurrenten Axel Springer absetzen. Das Berliner Verlagshaus verlor im Vergleich zur MA II/09 rund 790.000 Leser. Insgesamt vereinigen die Springer-Zeitschriften eine Leserschaft von 29,69 Millionen Nutzern auf sich.

Am deutlichsten zulegen konnte der Münchner Verlag Condé Nast. Dessen Magazine gewannen 380.000 Leser hinzu. Grund dürften hier vor allem die Reichweitenzuwächse von „GQ“ und „Vogue“ gewesen sein. Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr musste leichte Einbußen hinnehmen und kommt auf 32,8 Millionen Leser.

MA-Neuling „OK!“ stieg mit einem Wert von 310.000 Lesern ein. Das Magazin, das in einem Joint-Venture von Klambt bestätigt damit die positive Auflagenentwicklung. Bauers People- und Modeblatt „Life & Style“ gab mit 390.000 Lesern sein Debut in der MA-Statistik.

Bei den monatlichen Frauenzeitschriften liegt Condé Nasts „Glamour“ vorn. Das Magazin erreicht aktuell 1,27 Millionen Leser – 290.000 Leser und 29,6 Prozent mehr als bei der letzen MA. Die „Cosmopolitan“ (MVG) konnte ihre Reichweite um 160.000 Leser (15,7 Prozent) auf 1,18 Millionen steigern. Die vom OZ-Verlag übernommene „Jolie“ hat 100.000 Leser hinzugewonnen (plus 16,9 Prozent) und erreicht aktuell 690.000 Menschen.

Moderater steigerten sich Condé-Nast-Modebibel „Vogue“ (mit 30.000 zusätzlichen Lesern erreicht das Blatt 700.000 Menschen), MVGs „Joy“ (20.000 Leser mehr und aktuell 760.000 erreichte Menschen) und die ebenfalls von OZ gekaufte „Madame“ (ein Plus um 10.000 auf 310.000 Leser). Der Hochglanztitel „Elle“ hingegen verlor 60.000 Leser (minus 10,2 Prozent) und erreicht damit noch 530.000 Menschen. Der Rückgang dürfte vor allem Burdas Entscheidung geschuldet sein, bei Bordexemplaren zu kürzen.

Die meistgenutzte Zeitschriftengattung sind mit knapp 62 Prozent Reichweite die Programmzeitschriften, gefolgt von den aktuellen Zeitschriften und Magazinen zum Zeitgeschehen (48 Prozent). Jeweils knapp ein Drittel der Bevölkerung, in erster Linie Männer, liest darüber hinaus einen oder mehrere Titel der Motorpresse (33 Prozent), der Supplements (32 Prozent) und der wöchentlichen Frauenzeitschriften (32 Prozent).cw/jmk/tn

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