Nielsen-Boss Ludger Wibbelt wagt derzeit keine Prognose und hält fest: "Die Eurokrise scheint ihre Spuren auch auf dem deutschen Werbemarkt hinterlassen zu haben."
Nielsen-Boss Ludger Wibbelt wagt derzeit keine Prognose und hält fest: "Die Eurokrise scheint ihre Spuren auch auf dem deutschen Werbemarkt hinterlassen zu haben." © Foto:Nielsen Media Research

| | von Petra Schwegler

Nielsen-Bruttozahlen: Eurokrise bremst Werbemarkt im ersten Halbjahr aus

Die Eurokrise ist bei uns angekommen. Ein schwaches zweites Quartal dämpft den deutschen Bruttowerbemarkt: Zwar sind die Erlöse der klassischen Medien laut Nielsen Media Research im ersten Halbjahr noch auf rund 12,4 Milliarden Euro gewachsen - ein Plus von zwei Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Doch zwischen April und Ende Juni ist das Wachstum mit nurmehr 0,5 Prozent Zuwachs fast zum Erliegen gekommen. "Die Eurokrise scheint ihre Spuren auch auf dem deutschen Werbemarkt hinterlassen zu haben“, resümiert das Team um Nielsen-Chef Ludger Wibbelt. Zum Vergleich: Vor genau einem Jahr hat er noch ein Plus von 4,6 Prozent melden können, obwohl große Werbekunden wie Danone im ersten Halbjahr 2011 bei Werbespendings und Marketingausgaben arg auf die Bremse gestiegen sind.

Doch es gibt auch Erfreuliches zu melden - der Fußball-Europameisterschaft sei Dank. Sie setzt dann doch Akzente im Werbemarkt: „Rund 174 Millionen Euro wurden in Werbemaßnahmen mit direktem oder auch indirektem Bezug auf das Großereignis investiert. Davon floss der größte Teil (rund 150 Millionen Euro) in Fernsehwerbung, an zweiter Stelle profitierten die Zeitungen, gefolgt von den Publikumszeitschriften“, teilt Nielsen Media Research am Donnerstag mit. Nun sind die Werbemarkt-Forscher gespannt, wie sich das nächste große Sportereignis - die olympischen Sommerspiele in London - auf den Werbemarkt auswirken. Auf den Fortgang der Eurokrise und ihre Folgen für die Einkommenssituation der Medien geht Nielsen indes nicht ein.

Im ersten Halbjahr 2012 verteilen sich die gesamten Bruttowerbeumsätze wie folgt auf die Mediengattungen: Nur drei der Above-the-line-Medien schließen die erste Jahreshälfte mit einem Plus ihres Bruttowerbedrucks ab. Das dickste Stück vom Werbekuchen schneidet sich weiterhin die Fernsehwerbung ab; sie hat bisher brutto 5,3 Milliarden Euro erlöst. Über die gute Performance des Mediums hat W&V bereits berichtet. Aber der Zuwachs von 4,4 Prozent reicht nur für Platz drei: Am meisten zugelegt hat einmal mehr das Internet mit einem Brutto-Plus in Höhe von 17,6 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Gut 1,3 Milliarden Euro sind bisher mit Werbung im Internet brutto umgesetzt worden.  Danach folgt nach Prozenten der Hörfunk: Das Medium Radio erwirtschaftet bisher Werbeerlöse in Höhe von 720 Millionen Euro, was einem ordentlichen Plus von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Damit enden die positiven Nachrichten. Die Printbranche, Kino und Out-Of-Home-Medien darben. Der Umsatzverlust der Zeitungen gegenüber dem Vorjahreszeitrum liegt brutto bei 4,9 Prozent; knapp 2,5 Milliarden Euro haben sie bisher an Werbung erlöst - wobei Rubrikenanzeigen in der Nielsen-Statistik nicht mit einbezogen werden. Publikumszeitschriften verzeichnen bei einem Bruttowerbeumsatz von 1,74 Milliarden Euro ein Minus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch im Vorjahr haben hier Pluszeichen regiert – zumindest brutto. Einbruch auch bei den Fachzeitschriften: 1,8 Prozent weniger liegt hier in den Kassen. Macht bisher 208 Millionen Euro an Bruttoerlösen.

Am schlimmsten hat es im ersten Halbjahr 2012 die Lichtspielbranche erwischt:  Das Medium Kino muss ein dickes Minus von 11,7 Prozent hinnehmen. Nur etwas mehr als 36 Millionen Euro sind bisher brutto an Kinowerbung zusammengekommen – ein Halbjahr ohne allzu viele große Blockbuster. Auch die Werbeeinnahmen in der neuen Kategorie Out-Of-Home-Medien rund um Plakat und Ambient-Media gehen zurück. Hier meldet Nielsen gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 ein Minus von 3,5 Prozent auf 597 Millionen Euro an Bruttoerlösen.

Das Internet schneidet sich bereits ein ordentliches Stcük vom Werbekuchen ab (Grafik: Nielsen Medien Research).

Das Internet schneidet sich bereits ein ordentliches Stcük vom Werbekuchen ab (Grafik: Nielsen Medien Research).

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