Oliver Kalkofe begleitet das Revival von "Zapping" auf Sky.
Oliver Kalkofe begleitet das Revival von "Zapping" auf Sky. © Foto:Sky

| | von Petra Schwegler

Oliver Kalkofe: "Der ehrliche Zuschauer wird nur noch verarscht“

Oliver Kalkofe ist Format-Pate, wenn die Pay-TV-Plattform Sky mit "Zapping" am 4. Juni nach fünf Jahren ihre bekannteste Eigenproduktion wiederbelebt. Im Vorfeld hat W&V-Online bei Kalkofe nachgehakt, was der Mediensatiriker über das heutige Fernsehen, die Arbeit am neuen "Zapping", über "Wetten, dass..?" und über eine mögliche Zukunft seiner "Mattscheibe" denkt.

Was haben Sie als "Formatpate" des neuen "Zapping" bei Sky zu tun?

Ich bin der Pate, der die Start-Show moderiert. Die Ehre wird mir zuteil, weil ich ja all die Jahre mit "Zapping" zusammengearbeitet habe. Das war zwar ein eigenständiges Format auf Premiere, aber das Team hat auch die Clips für die "Mattscheibe" geliefert. Zur Premiere-Zeit habe ich die "Zapping"-Folgen immer angesehen und angemeldet, was ich davon brauchte. Was für "Zapping" zu viel oder zu lang war, habe ich für die "Mattscheibe" abbekommen. Die kurzen Stücke gingen an "Zapping", Moderations-Wahnsinn und längere Geschichten wurden mir zur Auswahl vorgelegt. Auch als "Kalkofes Mattscheibe" zu ProSieben gezogen ist, haben wir diese Form der Kooperation mit den Zappern beibehalten. Selbst als Premiere die Sendung eingestellt hat, haben wir weiter zusammengearbeitet, da der Sichtapparat weiter bestehen blieb. Einer muss den ganzen Mist ja gucken und aufnehmen! Es ist ganz schwer, wie ein Trüffelschwein Momente und Pannen zu finden, die lustig sind. Schlechtes Fernsehen an sich gibt es zur Genüge.

Was war zuerst da: "Zapping" oder "Kalkofes Mattscheibe"?

"Zapping" war zuerst da. Und als Premiere das Format gerade erst gelauncht hatte, kam die Idee, die "Mattscheibe" aus dem Radio ins Fernsehen zu bringen. Es wusste nur keiner, wie – und ich am wenigsten, denn ich hatte zuvor noch nie TV gemacht. Es gab damals gleich mehrere Sender, die die "Mattscheibe" haben wollten, ganz vorne sogar Radio Bremen und auch RTL. Aber Premiere war am vernünftigsten und bot die größte kreative Freiheit.

Wenn Sie bei "Zapping" nicht stärker involviert sind – haben Sie Zeit für ein Revival der "Mattscheibe"?

Ich bin gerade in Gesprächen mit diversen Sendern, um die "Mattscheibe" wiederzubeleben. Ich bleibe in Kontakt zu "Zapping", um bei Bedarf wieder Material einpflegen zu können. Ich würde die "Mattscheibe" sehr gerne wieder machen! Es wird allerdings immer schwerer, bei der neuen Qualität im Fernsehen, mit viel Dokusoaps, Telenovelas und Reality, wiedererkennbare Gesichter zu finden. Man weiß beim Durchschalten gar nicht mehr, wo man ist – bei Betrugsfällen, Verdachtsfällen, Mitten im Leben, außerhalb des Lebens. Alles Begleitkram, der nur noch weggesendet wird! Der Großteil des Fernsehens ist heute von vornherein darauf ausgelegt, sich und die Protagonisten lächerlich zu machen. Heute Star zu sein bedeutet bereit sein, ausgelacht zu werden.

"Zapping" war Kult, weil es die einzige Sendung war, die Premiere unverschlüsselt gezeigt hat. Das ist jetzt anders.

Der Seherkreis wird elitärer. Da steckt bei Sky eine Strategie dahinter. Aber es gibt auch vom neuen "Zapping" etwas für alle zu sehen: Die Wochentags-Folgen werden zeitnah für Abonnenten online gestellt. Das "Best of" vom Samstag und "Zapping Classics" am Sonntag platziert Sky für alle frei und unverschlüsselt im Internet.

Was erwartet uns Schlimmes im ersten neuen "Zapping"?

Wir haben in der Eröffnungsshow Andrea Kiewel vom ZDF- Fernsehgarten, Jens Riewa von der "Tagesschau" und von Sky Jessica Kastrop. Kiewel und Riewa sind viel in "Zapping" vorgekommen, Kastrop ist durch ihren Balleinsatz mit Hinterkopf einfach auf einen Schlag bekannt geworden. Es gibt also ein bisschen Talk, ein bisschen "Best of Zapping" und Hintergründe zum Fernsehen. Da gibt es sicher einiges zu erzählen. Man darf nicht vergessen: Für die Moderatoren waren "Zapping" und auch "Kalkofes Mattscheibe" sehr wichtige Medien, weil sie dadurch einer anderen und sehr breiten Klientel bekannt wurden.

Aber einige waren doch gar nicht begeistert!

Bei "Zapping" gab es bis auf ein paar Ego-Probleme keinen erwähnenswerten Streit. Bei der "Mattscheibe" war es etwas anders. Anfang der 90er Jahre war man ja Comedy auch noch gar nicht gewöhnt, das war neu. Man hat damals viel diskutiert, was machbar ist und ob man so böse Sachen überhaupt sagen darf! Aber dann kam zum Glück der Grimme-Preis – der hat mich gerettet. Nachdem ich den in der Tasche hatte, gab es keine Diskussionen mehr und die meisten TV-Gesichter fanden es lustig, dabei zu sein. Im Grunde gab es nur ganz wenige, die richtig sauer waren, aber gesagt haben auch sie nichts. Nach Gülcans Traumhochzeit hat mich ihr Mann mal angerempelt und mir etwas ins Ohr gezischt, aber das habe ich leider nicht verstanden. Sehr schade.

Gibt es noch die schlimmen Pannen im TV?

Es wird weniger und damit schwieriger, eine Sendung wie "Zapping" zu gestalten. Es gibt im Vergleich zu den 90er Jahren einfach immer weniger Live-Fernsehen, das gute Pannen und Versprecher liefern könnte. Bis vor fünf Jahren gab es noch viel Live-Unterhaltungsformate und Game-Shows mit vielen lustigen Momenten und natürlichen Situationen. Aber damals war noch Leben in den Formaten. Was heute an Reality- und Dokusoap-Formaten geboten wird, sieht aus, als wäre es mit der Digi-Cam beim Nachbarn gedreht. Da ist für "Zapping" kein Spielraum mehr. Live sind noch das Frühstücksfernsehen, Sport, einige Shows und viele kleine neue Astro- und Shoppingsender. Dort wird man sich jetzt viel mehr bedienen müssen.

Die kleinen Spartensender bekommen dann ja wenigstens mal eine Plattform...

Die Kleinen haben durch Sendungen wie "Zapping" und "Mattscheibe" immer schon profitiert – sie sind durch uns teilweise sehr populär geworden. Selbst der MDR ist dadurch bekannt geworden! Den Sender kannte im Westen ja anfangs noch keiner, und als er endlich für die „Mattscheiben“-Sichtung eingespeist wurde, eröffnete sich eine ganz neue Welt für mich! Toll war, als ich dort Achim entdeckt habe – das war eine Erleuchtung! Ich habe zuerst geglaubt, das sei eine Computer- Animation...

Ist Fernsehen denn nicht professioneller geworden?

Look und Feel sind heutzutage in einigen Formaten nahezu perfekt. Aber inhaltlich wird das Ganze immer fragwürdiger. Professioneller wird es sicher nicht, wenn nur noch Moderationsmaschinen zum Einsatz kommen. Ob ein Marco Schreyl oder ein Stefan Gödde moderiert – ich kann und will die nicht auseinanderhalten. Die haben die gleiche Frisur, die grinsen gleich, die stehen gleich und haben den gleichen Anzug an. Würde ich die parodieren – ich sähe beide Male gleich aus. Wie schön war da ein Achim Menzel, den man sofort kannte und wusste, dass man über den lachen kann. Man hat heute keine Reibungspunkte mehr, die sind alle gleich eklig.

Da können Sie ja nur hoffen, dass das ZDF für Thomas Gottschalk einen unverwechselbaren Nachfolger bei "Wetten, dass...?" findet?

Das wird noch ewig dauern, bis die sich entschieden haben und die Moderatoren vorher noch dreimal abgesagt haben. Das ZDF hat vielmehr das Problem, dass die Sendung neu überdacht werden muss. Einfach den Moderator auszutauschen reicht nicht – "Wetten, dass..?" ist an der Zeit vorbei, konzipiert für das TV-Verhalten der 80er Jahre. Jede Sendung ist vorhersehbar und per Liste abzuhaken: Da kommt ein Sportler, dann ein ZDF-Schauspieler, ein US-Schauspieler und dann einer der lustig sein soll. Bei der Musik läuft ein 80er- Hit, einmal modern, einmal Musical – zack, zack, zack. Und dazwischen Thomas Gottschalk, der nicht weiß, wer da überhaupt neben ihm sitzt. Das ist echt mühsam! Die letzte Folge habe ich nebenher beim Arbeiten geguckt – hinter mir hat meine Familie das ebenso langweilige "DSDS"-Finale auf RTL angesehen. So habe ich zwischen zwei furchtbaren Sendungen festgesteckt. Das war echt gruselig.

Was schauen Sie denn privat gerne?

Ich schalte gerne ab. Ich nutze das Fernsehgerät als Abspielgerät für DVDs und alles, womit ich mir das Programm selbst basteln kann. Die Lieblosigkeit, wie heute die Programme zusammengestellt werden, verärgert mich und nimmt mir jeden Spaß. Selbst gute Serien leiden, wenn sie in der Endlosschleife ohne erkennbaren Anfang und völlig durcheinander gesendet werden. Das ist den Verantwortlichen aber vollkommen egal! Das Programm möchte man denen um die Ohren hauen! Dazu liebe ich Fernsehen zu sehr, als dass ich mich darüber nicht ärgern müsste. Qualitativ gute Produktionen, vor allem aus dem Serienbereich, kommen fast ausschließlich aus den USA und Großbritannien. Klar, da ist auch Murks dabei. Aber warum macht man bei uns nur die schlechten?

Welche Serien mögen Sie?

Ich gucke gerade zum zweiten Mal "24". Aber auch neue wie "True Blood", "Mad Men", Breaking Bad". Aber das läuft nur im Pay-TV, heimlich nachts oder auf Nischensendern wie ZDFneo. Da denke ich immer, das müsste eigentlich auf dem regulären ZDF laufen – und das andere Zeug im Spartenkanal. Man muss für gutes Fernsehen entweder im Untergrund leben und illegal die Serien irgendwo herunterladen oder aber als Mitglied der Elite DVDs kaufen und Pay-TV abonnieren. Aber die Mittelschicht bleibt außen vor. Der ehrliche Zuschauer wird vom Fernsehen nur noch verarscht.

Sind Sie selbst Sky-Abonnent?

Zurzeit leider nicht. Ich habe auch so viele Jahre bei Premiere gearbeitet und nie ein Abo umsonst bezogen. Erst zur 100. Folge bekam ich ein Ein-Jahres-Abo geschenkt. Das erlosch pünktlich nach einem Jahr. Lange war ich dann Kunde, habe aber gekündigt, weil ich ohnehin alles auf DVD hatte. Aber man hat mir jetzt versprochen, dass ich Mitglied der Ehrenloge werde. Blöd, dass es nun herauskommt: Ich habe jahrelang nur für Premiere gearbeitet, um jetzt endlich bei Sky mein Abo zu bekommen (lacht).

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