Was will uns dieses Brautpaar sagen? "Werbung, nein danke!" vielleicht? Der Blick auf die gar nicht königlich-üppigen Werbespendings rund um die Hochzeit von William & Kate legt es nahe
Was will uns dieses Brautpaar sagen? "Werbung, nein danke!" vielleicht? Der Blick auf die gar nicht königlich-üppigen Werbespendings rund um die Hochzeit von William & Kate legt es nahe © Foto:ARD

| | von Christiane Treckmann

Royal Wedding: TV-Werbespendings alles andere als königlich

Millionen in Deutschland, Milliarden auf der ganzen Welt vor dem Fernsehbildschirm – aber für die Werbungtreibenden schien die Hochzeit des Jahres (am 29.4.2011) nicht der Tag der Superspendings zu sein. Im Gegenteil: Verglichen mit dem durch und durch bürgerlichen 29. April des Vorjahres lag RTL elf Prozent unter den damaligen Werbeeinnahmen, Sat.1 sogar stramme 52 Prozent. Das zeigt eine exklusiv für W&V Online von Ebiquity (ehemals Thomson Media Control) durchgeführte Auswertung der Bruttowerbespendings.

Danach verbucht RTL in der Zeit von 9.00 bis 17.00 Uhr gut 1,4 Millionen Euro brutto, Sat.1 kommt auf rund 790.000 Euro. Das hätte netto in London gerade mal für den Blumenschmuck gereicht, der etwas über eine Million Euro gekostet haben soll. Die Ausgaben für das ganze royale Spektakel werden derzeit ja auf stolze 58 Millionen Euro geschätzt. Wer bei RTL von 9.00 bis 17.00 durchgehend vor dem Fernseher gesessen hätte, dessen Feierstimmung wäre mit 185 TV-Spots unterbrochen worden. Bei Sat.1 hätte es 264 entsprechende Gelegenheiten gegeben, zum Beispiel, um neue Taschentücher zu holen.

Vielleicht war man auf Werberseite der Meinung, bei all dem aufmerksamkeitsintensiven Prunk mit den Werbebotschaften ohnehin nicht mehr durchzudringen. RTL und Sat.1 hatten in weiser Voraussicht auch nicht die Preisschraube nach oben gedreht. Positiv dagegen ist die Bilanz bei der ARD und dem ZDF. Die Öffentlich-Rechtlichen hatten von ihren kostbaren täglichen 20 Werbeminuten, ansonsten dem Vorabend vorbehalten, etwas abgezweigt. Das brachte den Mainzern rund 208.000 Euro brutto bei 23 Spots, das Erste holte sich noch 176.000 Euro bei 14 Spots.

Wer alles zu den geladenen Werbegästen gehörte: L’Oréal, Henkel und Unilever toppten bei RTL als die einzigen mit sechsstelligen, aber dafür deutlich angehobenen Beträgen. Bei Sat.1 lagen Procter & Gamble, L’Oréal und Oetker vorn mit netten fünfstelligen Beträgen, für die man auch den Verlobungsring hätte kaufen können.

Die Hochzeit des Jahres war auch der Tag der Sekt- und CD-Werbung. So lieferten sich die Rotkäppchen-Mumm-Sektkellerei und Fürst Metternich einen Showdown: Die einen für rund 24.000 Euro bei RTL, die anderen für 19.700 Euro bei Sat.1. Und Sony Entertainment versuchte, für rund 16.000 Euro bei RTL die Gunst der herzrührenden Stunde zu nutzen, um Kuschelrock und Mehrzad Marashi zu promoten, während bei Sat.1 die EMI Group für 11.000 ein zielgruppenmaßgeschneidertes Umfeld für „Die schönsten Hochzeitsmelodien“ sah. Auffällig an der Bilanz des königlichen Tages ist auch, dass die meisten Werbungtreibenden über den Zeitraum von 9.00 bis 17.00 Uhr nur immer mit einem einzigen Spot präsent waren. Wie gut, dass am nächsten Tag wieder der Normalzustand einkehrte.

Royal Wedding: TV-Werbespendings alles andere als königlich

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