Am 8. September will RTL dann am späteren Sonntagabend eine Wahlkampfreportage zeigen, die die Kandidaten "mal anders zeigen soll". Der Wahltag selbst steht bei den Kölnern im Zeichen der Sondersendung ab 17.45 Uhr. Kloeppel verweist als Neuerung besonders auf Grafiken im Stil der "augmented reality" - die Schaubilder, zum Beispiel Säulendiagramme, bauen sich dabei in einem realen Raum dreidimensional auf. Das Brandenburger Tor mit seinen sechs vorderen Säulen böte dafür geeignete Voraussetzungen. Alles in allem wird RTL die Dachmarke "Meine Wahl" aufstellen und dort Informationssendungen und die eigenständigen Wahl-Formate einordnen.

Passend zum Mehr-Engagement des beliebten RTL-Anchors Kloeppel räumt Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann bei seinem Sender Schwächen im "Real-Life-Bereich" ein. "Dort und auch in anderen Genres finden wir Formate, von denen wir gedacht hätten, dass sie noch länger auf sehr hohem Niveau laufen", sagt der 47-Jährige in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Leider sind sie parallel unter Druck geraten." Er habe erwartet, dass Peter Zwegats Reihe "Raus aus den Schulden" und Christopher Poschs Reihe "Ich kämpfe für Ihr Recht!" stabiler liefen, "wenngleich wir mit den aktuellen Ergebnissen ganz zufrieden sind. Nichtsdestotrotz sehen wir, dass wir Marktanteile verlieren". Im Übrigen betont Hoffmann, der seit Februar 2013 im Amt ist, dass sein Sender so viel wie nie zuvor experimentiere. Dazu gehörten Sendungen wie die Reportagereihe "Das Jenke-Experiment" oder Shows wie "Cash Crash" und "Unschlagbar".

Hoffmann gibt die Schwäche des Marktführers gegenüber der "SZ" offen zu. Die Fernsehlandschaft habe sich durch die Digitalisierung verändert. Früher sei sie durch wenige Hochhäuser geprägt worden, mittlerweile seien viele Bungalows dazugekommen. Hoffmann: "Das Hochhaus RTL wurde um das Penthaus gekürzt. Das ist weg." Zur Info: Der Kölner Sender ist im Fußball-Monat Mai auf 13,9 Prozent Marktanteil den 14-bis 49-jährigen Zuschauern gefallen – ein Jahrestief.

Aber es gibt auch Lichtblicke: Nach 3,66 Millionen Zuschauern für die Pilotfolge "Team Wallraff - Reporter Undercover" steht fest, dass weitere Folgen des Formats kommen werden. Michael Wulf, Geschäftsführer der verantwortlichen Produktionsfirma und RTL-Tochter infoNetwork: "Unsere Reporterin Pia Osterhaus hat mit großem persönlichem Einsatz und mit der wertvollen Hilfe der Redaktion und insbesondere von Günter Wallraff ein ganz starkes Reportagestück abgeliefert, das viele Menschen aufgerüttelt hat und hoffentlich zu nachhaltigen Konsequenzen in der Branche führt." Er spricht nun mit Wallraff und den Redaktionsverantwortlichen wegen weiterer Ausgaben der Undercover-Reihe. Sie sollen zeitnah folgen.

dpa/ps


Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.