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Im Fernsehen schon eng verbunden: Zum G+J-Magazin "Stern" gibt es bei RTL "Stern TV" mit  Steffen Hallaschka.
Im Fernsehen schon eng verbunden: Zum G+J-Magazin "Stern" gibt es bei RTL "Stern TV" mit Steffen Hallaschka. © Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Bertelsmann-Vermarktung | | von Thomas Nötting

RTL und G+J: Annäherung unter Geschwistern

Die TV-Gruppe RTL und der Verlag Gruner + Jahr (G+J) sollen in der Werbevermarktung enger zusammenrücken. Angekündigt hatte das Bertelsmann-Boss Thomas Rabe bereits im vorigen Jahr – jetzt macht Deutschlands größter Medienkonzern ernst. 2016 steht nach Informationen von W&V eine Entscheidung in der Vermarktungsfrage an.

Hinter den Kulissen sprechen TV- und Verlagsmanager über verschiedene Szenarien einer engeren Zusammenarbeit. Sie reichen offenbar von einem eher lockeren Verbund bis zu einer Vermarktung sämtlicher Werbeplätze aus einer Hand. Eine Variante, die ein Konzernsprecher allerdings offiziell als "ausgeschlossen" dementiert. Als wahrscheinlich gilt dagegen ein engeres Zusammenrücken der Vermarktungstöchter G+J EMS und IP Deutschland im Onlinewerbegeschäft.

Hintergrund für die Planspiele ist der wachsende Konkurrenzdruck im Werbegeschäft. Die großen Digital-Konzerne Google und Facebook machen klassischen Vermarktern wie IP und Gruner + Jahr immer mehr Werbegeld abspenstig. Große Mediaagentur-Networks fordern immer höhere Rabatte. In der Vergangenheit hatten die Vermarktungstöchter IP Deutschland und G+J EMS nur punktuell kooperiert. Seit Bertelsmann das Hamburger Verlagshaus im Herbst 2014 komplett übernommen hatte, soll Gruner + Jahr aber stärker in die Konzernstrukturen integriert werden – offenbar auch im Werbegeschäft.

Eine ausführliche Analyse über die Annäherung der Bertelsmann-Geschwister lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Werben & Verkaufen (EVT 11. Januar 2016). Abo? Hier entlang.

RTL und G+J: Annäherung unter Geschwistern

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RTL und Gruner + Jahr schließen Vermarktungspakt

von Thomas Nötting

Die Bertelsmann-Töchter RTL und Gruner + Jahr schließen sich zu einer Vermarktungsallianz zusammen. Unter der Dachmarke Ad Alliance wollen das Hamburger Verlagshaus und die Kölner Sendergruppe künftig den Verkauf ihrer Werbeplätze stärker koordinieren. Beide Vermarktungsunternehmen Gruner + Jahr EMS und IP Deutschland bleiben dabei eigenständig.

Ihren Werbekunden wollen die Bertelsmann-Geschwister ab Januar 2017 gemeinsame Angebote für crossmediale Kampagnen machen. Auch die  Adtech-Infrastruktur soll gemeinsam weiterentwickelt werden. Am engsten rücken die Schwesterfirmen im Digitalgeschäft zusammen. Die Partner wollen ihre Webseiten, Mobile-Angebote und Apps künftig aus einer Hand vermarkten.

"Der Schulterschluss von Gruner + Jahr und der Mediengruppe RTL Deutschland wird die Relevanz unserer Angebote für unsere Kunden nochmals steigern", erwartet RTL-Group-Chefin Anke Schäferkordt. Gruner + Jahr-Geschäftsführerin Julia Jäkel freut sich, "das wir als Schwesterunternehmen noch enger zusammenarbeiten werden". Gemeinsam nutze man "die Chancen, die das Zeitalter konvergenter Medien" biete. "Kunden und Agenturen erwarten von uns innovative, kreative Werbelösungen, die Menschen wirkungsvoll erreichen", sagt Matthias Dang, Geschäftsführer des RTL-Vermarkters IP Deutschland. Die Ad Alliance kombiniere "die Garanten für genau diese Kampagnen". Mit der Ad Alliance "spielen wir unsere Vermarktungskompetenzen in TV, Print und Digital ganz im Sinne der Kunden und Agenturen aus", ergänzt Frank Vogel, Sprecher der Geschäftsleitung bei G+J EMS.

Das Logo der Ad Alliance (Foto: Bertelsmann).

Das Logo der Ad Alliance (Foto: Bertelsmann).

Mit der Werbe-Allianz der Bertelsmann-Geschwister formiert sich eine neue Macht im deutschen Werbemarkt. Jenseits des Digitalriesen Google ist die Vermarktungsunion von Gruner + Jahr und RTL wohl der größte Player. Vor allem bei Frauenzielgruppen sind die Bertelsmann-Geschwister mit der Kombination aus RTL, Vox, "Gala" und "Brigitte" im deutschen Werbemarkt eine Macht. Laut MA erreichen die TV-Sender, Zeitschriften und Digitalangebote der Ad Alliance jeden Monat 98 Prozent der deutschen Bevölkerung. Nach Netto-Umsätzen, die allerdings nicht veröffentlicht werden, wäre die neue Geschwister-Kombi wohl der zweitgrößte Vermarkter nach Google. Unter den Onlinevermarktern würde die Ad Alliance auf Platz drei rangieren. Im Reichweiten-Ranking der Agof wäre sie knapp hinter Marktführer Ströer und United Internet Media (UIM).

Mit der Vermarktungsallianz bauen RTL und Gruner + Jahr ihre im Herbst 2015 begonnene Zusammenarbeit aus. Für den Kosmetikkonzern L’Oréal hatten beide Seiten eine gemeinsame crossmediale Kampagne entwickelt, die sowohl Spots auf RTL und Vox mit Advertorials in "Gala" und "Grazia" sowie Social-Media-Plattformen und Digitalumfeldern aus beiden Häusern kombinierte. Dieses Prinzip wollen die Bertelsmann-Töchter nun intensivieren und institutionalisieren.  Sales-Mitarbeiter aus beiden Häusern sollen künftig gemeinsam Kundentermine wahrnehmen und Crossmedia-Pakete schnüren. Der Schulterschluss geht aber darüber hinaus. Die wohl wichtigste Wertschöpfung im Werbegeschäft der Zukunft wollen IP Deutschland und Gruner + Jahr EMS ab sofort gemeinsam angehen. Adtech-Systeme und Datenmanagement wollen die Vermarktungshäuser zusammen entwickeln.

Ganz überraschend kommt die familieninterne Annäherung der beiden Vermarkter nicht. Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe hatte bereits vor einem Jahr angekündigt, "weitere Möglichkeiten der Kooperation in der Werbevermarktung" prüfen zu wollen.

Ein ausführliches Interview mit IP-Chef Dang und dem für die Vermarktung verantwortlichen Gruner + Jahr-Produktvorstand Stephan Schäfer lesen Sie in der kommenden Ausgabe von W&V.

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