| | von Petra Schwegler

Shitstorm über "Galileo": So reagiert ProSieben auf derbe Vorwürfe

Seit Jahren hält ProSieben seine eigenproduzierte Reihe "Galileo" hoch – als Wissensmagazin mit toller Quote, mit Printablegern und mit den unterschiedlichsten Sondersendungen in der Primetime. Nicht jedem gefällt das Format, nicht alle finden die Themen wissenschaftlich fundiert ausgearbeitet. Nur in Zeiten des Social Web verbreitet sich eine derbe Kritik schon einmal explosionsartig. So geschehen bei einer der letzten Folgen von "Galileo", die einem Hamburger Schüler knapp zwei Tage lang deutlich lesbar aufgestoßen hat - und einen regelrechten Shitstorm auslöste (den Blogger genau ins Visier nehmen).

Auf Facebook tobte sich der junge Mann aus mit Aussagen wie: "Wie kann man sich erdreisten, sich selber ein Wissenschaftsmagazin zu schimpfen und dann den Pazifik mit dem Atlantik zu verwechseln? Man sollte euch wegen organisierter Verdummung einlochen und zwar in den tiefsten Kerker dieser Erde!". Er holte dort zum Rundumschlag gegen den werbefinanzierten Sender ProSieben aus: "Ich weiß nicht ob Sie es wussten, aber bei einem Film der eigentlich 1,5 Stunden dauert, so viel Werbung zu zeigen, dass er am Ende doppelt so lang ist, ist einfach dreist". Sicher nicht ungewöhnlich für ProSieben. Aber das Gezetere legte bei Facebook eine steile Karriere hin und sammelte innerhalb von nicht einmal zwei Tagen mehr als 100.000 Likes ein (Stand Dienstagnachmittag, bevor die Seite erlosch). Nicht alle haben ihm zugestimmt, aber der Tenor der Kommentare war deutlich: Recht hat er irgendwie.

Regelrecht zum Wutbürger wurde der Hamburger, als er formulierte: "Verbrecher seid ihr! Mit der Führung dieses Senders betreibt Ihr eine ganz neue Art von Verbrechen: Vom Staat legalisiertes und vor allem organisiertes Verbrechen". Genau hier scheint er aber aus ProSieben-Sicht jene Grenze überschritten zu haben, bis zu der der Privatkanal Kritik ernst nehmen kann. Auf Anfrage verweist der Sender auf seine direkte Reaktion auf den Schüler – gepostet ebenfalls auf Facebook. In versöhnlichem und selbstkritischem, aber dennoch ernstem Ton heißt es dort: "Liebe Facebook-Fans, wir sind stolz, dass wir 1,2 Millionen Freunde auf Facebook haben. Wir sind stolz, dass wir seit fast 14 Jahren Deutschlands erfolgreichstes Wissensmagazin machen. Aber auf zwei Dinge sind wir nicht stolz: Wir ärgern uns, wenn wir große oder kleine oder dumme Fehler machen. Und wir ärgern uns, wenn Menschen wie M.M., die in ihrer Chronik Sätze wie "Hitler, kann das sein?" auf die Frage "Beste Erfindung aller Zeiten?" schreiben, uns unter anderem als ‚asoziale Ärsche‘ beschimpfen. Kritik gefällt uns. Kritik nehmen wir an. Für Beleidigungen und Drohungen haben wir kein Verständnis." Der Hinweis fällt auch hier: "Galileo" wird als "Wissensmagazin" bezeichnet. Das Wort "Wissenschaft" vermeidet der Sender indes. Auch auf der Facebook-Seite von "Galileo" wurde über diese Kritik diskutiert.

Dass sich die Mannschaft des Münchner Senders bei ihrem Wissensmagazin nicht unterkriegen lässt, verdeutlicht die Ansage zum Schluss: "Heute, 19.05 Uhr zeigen wir wieder Galileo. Und am 30. November feiern wir unseren 14. Geburtstag." Sogar im Social Web dürfte die alte Regel gelten: Der Ton macht die Musik. Dann kommt Kritik auch dort an, wo sie angebracht ist. Inzwischen hat der Schüler selbst seinen verbalen Fauxpas registriert - seine Seite auf Facebook ist nach dem Shitstorm nicht mehr aktiv.

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"Taff" führt Bloggerin als Snapchat-Süchtige vor

von Petra Schwegler

Vorgeführt und der "Sensationsgeilheit" geopfert fühlt sich die Bloggerin Christine Neder aka Lilies Diary vom Team des ProSieben-Magazins "Taff". Der Anlass: Am Montagabend brachte der Sender in der Reihe ein Stück unter der Headline "Snapchat-Sucht". Als eine der Süchtigen wurde die Bloggerin vorgestellt, die sich dem Bericht zufolge stundenlang mit der Bewegtbild-App beschäftigt und sich von Außenwelt und Freunden in der realen Welt isoliert. Ein Bild, das Lilies Diary im Gespräch mit dem "Taff"-Team von sich selbst offenbar nicht zeichnen wollte. Sie reagiert am Dienstag – viel beachtet und viel geteilt - via Blog und löst einen kleinen Shitstorm aus. "Mir geht eure Sensationsgeilheit auf den Sack! #taff", begehrt die Bloggerin auf.

Dort lässt sie ihrer Enttäuschung über den Umgang mit Interviewpartnern freien Lauf. Vieles im Beitrag sei erfunden, bloggt Lilies Diary, die sich wohl nach wiederholten Snapchat-Porträts als Gesprächspartnerin zum Thema qualifiziert hat. "Ich habe selber beim TV gearbeitet und weiß, wie schwer es manchmal ist Leute zu finden. Ich habe ihr vier Stunden meines Lebens geschenkt und habe es umsonst gemacht, weil sie mir sagte, sie würde im Gegenzug meinen Blog erwähnen", schreibt sich die Bloggerin ihren Frust vom Hals.

Der "falsche Harald Schmidt", Rob Vegas, wähnt, dass neben der "taffen" Machart auf der TV-Seite auch Naivität bei der Interviewten im Spiel war - und kommentiert: "Ich habe noch nie einen differenzierten Beitrag bei Taff gesehen. Sollte man als Mensch mit angeblicher TV-Erfahrung wissen."

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