| | von Petra Schwegler

"Social Media macht Journalisten demütiger"

Thomas Knüwer kennt das Metier online wie offline. Er studierte BWL in Münster und Berkeley und schrieb von 1995 bis 2009 als Redakteur, Reporter und Ressortleiter für das "Handelsblatt". Knüwer gründete im November 2009 die Unternehmensberatung kpunktnull, seinen Medien-Blog Indiskretion Ehrensache betreibt er weiter. Außerdem ist er Mitgründer des Reise- und Gourmet-Blogs Gotorio sowie des Mobile-App-Blogs Mind the App. Privat gilt seine Leidenschaft dem Fußballclub Preußen-Münster.

Mit einer Symbiose aus Print und Online wartet Knüwer in wenigen Tagen auf. Am 8. September bringt Condé Nast die deutsche Ausgabe des Digital-Lifestyle-Magazins "Wired" als One-Shot und als iPad-App an den Start Thomas Knüwer wirkt dort als Entwicklungschef. Seit Wochen stimmt das Team die Leser via Blog auf "Wired" ein und sammelt dort auch Feedback ein.

Nach den ersten Interviews mit den bloggenden Blattmachern Siems Luckwaldt und Michael Kneissler hat W&V Online bei Thomas Knüwer nachgefragt, wie sich Online- und Print-Erfahrungen in der Praxis ergänzen.

Macht Bloggen das Blattmachen beziehungsweise die klassische Printarbeit kreativer?

Natürlich. Weil jeder Anstoß von außen die Kreativität befeuert. Das bedeutet nicht, dass Blattmacher jeder Idee oder jedem Wunsch nachgeben sollten, der an sie per Blog herangetragen wird - aber sie bekommen eben frischen Input. Gleichzeitig hilft das Schreiben von Artikeln für das Blog, die eigene Arbeit für sich selbst einzuordnen - auch das verleiht vielen Menschen kreative Impulse.

Welche Online-Erkenntnisse sollten beim Blattmachen einfließen?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. So richtig wirken Social-Media-Instrumente ja auch erst mittelfristig durch den stetigen Dialog mit den Lesern. Doch selbst in dieser kurzen Zeit haben wir bei "Wired" bemerkenswerte Anstöße erhalten. Wieviel dann in ein Print-Produkt einfließt, muss jeder Blattmacher für sich entscheiden.

Liegt die künftige Genese neuer Printtitel im Internet?

Nicht unbedingt. Doch hilft eine Online-Präsenz massiv dabei, neue Titel bekannt zu machen und schon frühzeitig mit den Wünschen möglicher Leser abzugleichen. Interpretiere ich die Frage aber andersherum, dann muss mal eindeutig gesagt werden: Es fehlt In Deutschland massiv an Print-Produkten, die den digitalen Wandel der Gesellschaft begleiten - und ihn nicht unkundig runterschreiben.

Haben Blattmacher mit Web-/Blog-/Social-Media-Erfahrung eine andere Arbeitshaltung?

Ich glaube, dass Social-Media-Erfahrung Journalisten demütiger macht. Das heißt nicht, dass sie katzbuckelig-servil daher kommen. Aber wer bloggt gerät selten in Gefahr, hochmütig zu werden. Er ist gezwungen, seine Thesen und Argumente zu verteidigen und Fehler zuzugeben.

Wie anpassungsfähig sind die online-affinen Schreiber im Vergleich zu den angestammten Print-Leuten?

Wer online gut schreibt, kann das auch für Print. Wir haben einige Autoren in der "Wired", die durch ihre Blogs bekannt sind. Im Gegenzug scheinen mir die meisten Print-Journalisten stilistisch sehr festgefahren zu sein. Im Gegenzug: Sind Blattmacher die besseren Blogger? Nein. Aber auch nicht ja. Die eine Kompetenz hat nichts mit der anderen zu tun. Häufig sind gute Blattmacher nicht mal gute Schreiber.

Wie müssten Nachwuchsjournalisten heute ausgebildet werden?

Ihnen müsste die Begeisterung für Multimedialität beigebracht werden. Denn seien wir ehrlich: Die Zahl der Arbeitsplätze in klassischen Medien sinkt und wird dies weiter tun. Doch quer durch alle Redaktionen höre ich, dass Volontäre kein Online machen wollen. Das ist ihrer mittelfristigen Erwerbsperspektive nicht zuträglich.

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