Personalfluktuation:
"taz" findet "Sonntaz"-Chef, sucht aber immer noch Onlinechef
Felix Zimmermann ist neuer Chef der "taz"-Wochenendausgabe "Sonntaz". Doch wichtige Stellen wie die des Onlinechefs sind noch vakant.
Mit Felix Zimmermann hat die "taz" zum 1. September einen neuen Ressortleiter für ihr Wochenendmagazin "Sonntaz" gefunden. Der 38-jährige folgt auf Georg Löwisch, der im September bei Ringier und seinem politischen Magazin Cicero als Textchef und Autor angefangen hat. Zimmermann war zwischen 2003 und 2005 Nahostkorrespondent der Berliner Zeitung und arbeitete nach seiner Rückkehr nach Deutschland als freier Journalist, unter anderem für "Die Zeit", "Stern", "Merian" und die "taz".
Die "taz" hat zwar traditionell unter Personalfluktuation zu leiden, ihre Rolle als Journalistensprungbrett für junge Nachwuchsjournalisten ist bekannt. Doch es fällt auf, dass sich in den letzten Wochen und Monaten gerade langjährige Mitarbeiter verabschiedeten. Neben Löwisch, der lange Jahre "taz"-Reporter war und 2009 Gründungschef der Wochenendausgabe Sonntaz, hat Ende August auch Philipp Gessler die "taz" verlassen. Gessler schrieb seit Jahren bei der linken Überregionalen über religiöse Themen. Zukünftig kümmert er sich beim Deutschlandradio Kultur um dieses Themengebiet.
taz.de-Chef Matthias Urbach hatte der Zeitung bereits im Juni nach 15 Jahren Mitarbeit den Rücken gekehrt, um beim neuen Wissenschaftsmagazin im Spiegel-Verlag, New Scientist, anzufangen. Für die strategisch wichtig Stelle als Onlinechef hat die "taz" bislang noch keinen Nachfolger gefunden. taz.de wird seither kommissarisch von Julia Niemann geleitet.
Offenbar sorgen auch umstrittene Personalentscheidungen von Chefredakteurin Ines Pohl im Zuge der Strukturreform um Seite 1-Team und Rechercheteam für Unruhe. Auch die blattmacherische Kreativität steht intern in der Kritik, heißt es in der Redaktion. Ein direkter kausaler Zusammenhang zu den Abgängen lasse sich aber nicht unbedingt herstellen. Äußere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Ansteigende Mieten und höhere Arbeitsanforderungen bei der "taz" selbst stellen unterbezahlte "taz"-Journalisten vor die Frage, ob sie sich das in der zweiten Lebenshälfte noch leisten können - vor allem wenn es eine Familie zu versorgen gilt.
"Die Abgänge schmerzen uns schon,"kommentiert Anja Mierel, Pressesprecherin der "taz", die auffällige Personalfluktuation der langjährigen Tazler. Grund des Personalkarussels sei aber nicht blattmacherische Frustration. "Das sind überwiegend Zufälle," sagt Mierel.
Immerhin bekommt das Ressort Wirtschaft und Ökologie Verstärkung. Ressortleiterin Beate Willms, hat mit Kai Schöneberg, 44, einen neuen Co-Ressortleiter bekommen. Der studierte Wirtschaftshistoriker kommt von der "Financial Times Deutschland", wo er unter anderem für die Seite 1 zuständig war.