| | von Lisa Priller-Gebhardt

Transparenz-Offensive: MDR schreibt "Tatort" aus

Die neue Intendantin des MDR, Karola Wille, setzt zu ihrem Amtsantritt klare Regeln ein: Mehr Transparenz, so ihr verbindliches Motto. Dazu gehört in einem ersten Schritt, dass der Sender den neuen „Tatort“, der ab 2013 in Thüringen spielt, öffentlich ausgeschrieben wird. Auf der Seite des Senders, mdr.de, können Interessierte den Aufruf an alle Produzenten nachlesen. „Sehr geehrte Produzentin, sehr geehrter Produzent“, heißt es dort. „Wir bitten Sie, konzeptionelle Überlegungen zur Entwicklung eines Ermittlerteams zu erarbeiten“. Die Figurenentwicklung solle nach Möglichkeit „konkret anhand von zwei bis drei Kriminalfällen aufgezeigt werden“. Ebenso bittet der MDR um Vorschläge für geeignete Schauplätze. Die konzeptionellen Überlegungen inklusive Vorschläge für Autoren, Cast und Regie sollen bis zum 11. Mai eingereicht werden. Der Sieger darf zunächst mit dem Zuschlag für zwei Produktionen rechnen. Nach "Kontakter"-Informationen liegt das Budget bei drei bis vier Millionen Euro für beide Filme.

Mit diesem bislang einmaligen Prozedere wollen der Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi und Programmchefin Jana Brandt nicht nur Transparenz schaffen. Man wolle auch dem Vorwurf entgegnen, die ARD-Sender würden bevorzugt ihre Produktionstöchter mit Aufträgen versorgen. „Natürlich bin ich mir bewusst, dass es Risiken birgt, wenn wir eine so große Produktion - wir reden hier immerhin von einem millionenschweren Projekt - offen ausschreiben. Aber wir gehen dieses Risiko bewusst ein“, sagt Jacobi auf Kontakter-Anfrage. Es biete sich nicht oft die Chance, ein Prestigeobjekt wie einen neuen „Tatort“ in einer neuen Region zu kreieren. „Da wollen wir gern auch mal die eingetretenen Pfade verlassen, frische, vielleicht auch schräge Ideen für Ort, Ermittler, Stab und Besetzung sammeln und bewerten“, so der Fernsehdirektor weiter. Die Produzentenallianz freut sich über diesen Vorstoß. „Wir begrüßen den Willen zur Transparenz. Wir freuen uns auch, wenn viele die Chance bekommen, sich zu versuchen“, sagt Oliver Castendyk, Geschäftsführer der Sektion Unterhaltung. „Bei Erfolg könnte das durchaus ein Modell für weitere neue Fernsehprojekte sein“, hofft TV-Director Wolf-Dieter Jacobi.

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