| | von Petra Schwegler

TVlab, Telenovela, Ich kann Kanzler: Neue ZDF-Spitze erhöht die Schlagzahl

Kaum sitzt der neue Intendant Thomas Bellut im ZDF-Chefsessel und erklärt Norbert Himmler zum 1. April zu seinem Nachfolger auf dem Posten des Programmchefs, entsteht der Eindruck, dass auf dem Mainzer Lerchenberg die Schlagzahl erhöht wird. Die Neuankündigungen in diesen Tagen häufen sich massiv, die programmlichen Veränderungen sind spannend. Sie deuten durchaus auf den Willen hin, die Senderfamilie für die jüngeren Zuschauer trotz Sparzwang und Plänen für einen Stellenabbau attraktiver zu gestalten; Baustellen gibt es genug. Hier ein Extrakt aus eineinhalb (!) Tagen:

Für den Hauptsender ZDF wird beispielsweise eine neue zwölfteilige Stylingshow unter dem Titel "schick & schön" angekündigt. Sie soll bereits ab kommenden Samstag, 24. März, zwölfmal nachmittags um 14 Uhr Protagonisten zu einem neuen Look verhelfen, Farbe in den Kleiderschrank bringen oder auch die größten Frisurenprobleme lösen. Kurzum: ein neues Help-Format, Made in Mainz.

 

Des Weiteren wird beim Zweiten "großes Interesse an ‚Ich kann Kanzler!‘" registriert - und gleich die Top 15 der Kandidaten verkündet. Der Aufruf, sich für die politische Talentshow im Zweiten zu bewerben, sei auf großes Interesse bei Zuschauern und Web-Usern gestoßen - rund 1000 Kandidaten haben ihre politischen Ideen auf zdf.de vorgestellt, um am 1. Mai um 22.00 Uhr bei "Ich kann Kanzler!" dabei zu sein. "Die vielen Ideen und Konzepte der Kandidaten zeugen nicht nur von Einfallsreichtum und politischer Bildung, sondern auch von großem Spaß am politischen Engagement", resümiert Theo Koll, Leiter der Politik-Redaktion im ZDF. Die Mainzer haben eine prominente Jury aufgestellt: mit der ZDF-Journalistin Maybrit Illner, Politikberater Michael Spreng sowie Oliver Welke, Frontmann der "heute-show". Online ist bei dieser ZDF-Sendung einmal mehr eingebunden; bis zum 15. April können die 15 Top-Kandidaten auf kanzler.zdf.de um Unterstützer aus dem Netz werben. Wer die meisten User überzeugt, gewinnt den letzten freien Platz im Finale.

Parallel dazu lädt das ZDF zur Präsentation des Revivals seiner erfolgreichsten Nachmittags-Telenovela unter der Dachmarke "Wege zum Glück" ein. Fest steht jetzt, dass der wichtige Sendeplatz um 16.15 Uhr ab 7. Mai mit der Neuauflage unter dem Titel "Spuren im Sand" besetzt wird - nachdem weder die Produktionsfirma Wiedemann & Berg auf dem Sendeplatz noch die Münchner Bavaria mit "Herzflimmern" an jene Werte anknüpfen konnte, die Grundy UFA mit den "Wege-zum-Glück"-Produktionen eingefahren hat. 240 Folgen sind geplant, seit Ende Januar wird gedreht, die Hauptrollen übernehmen Andrea Cleven, Simon Licht und Florian Thunemann in der Produktion, die bei Grundy UFA in Potsdam-Babelsberg und an der Ostsee entsteht. Nach dem Erfolg von "Bianca - Wege zum Glück" ließ das ZDF weitere Telenovelas unter der Dachmarke "Wege zum Glück" produzieren, ehe sich das Zweite 2008 – unter dem Programmchef Bellut - davon verabschiedete. Aktuell wiederholt das ZDF um 16.15 Uhr alte Folgen der "Rettungsflieger" – mit mehr oder weniger Erfolg. Mit "Wege zum Glück - Spuren im Sand" soll offensichtlich der Sendeplatz zu alter Stärke gebracht werden.

Dass Produzentin Regina Ziegler seit Dienstag den historischen Zweiteiler "Die Holzbaronin" um Liebe, Verrat und familiäre Machtkämpfe mit Christine Neubauer in der Titelrolle für das Zweite dreht, sollte auch noch erwähnt werden. Das Ganze ist mit den weiteren Akteuren wie Nicole Heesters, Michael Mendl oder Catherine Flemming besetzt und mit weiterer Prominenz versehen: Die beiden 90-Minüter inszeniert Marcus O. Rosenmüller nach einem Drehbuch von Annette Hess ("Weissensee"). Das "neue" ZDF legt sich ergo auch bei seiner älteren Stammseherschaft mächtig ins Zeug.

Da Bellut aber nicht nur einen Sender von Vorgänger Markus Schächter übernommen hat, sondern eine ganze TV-Familie, schiebt Mainz auch bei den digitalen Ablegern Neues und doch schon Bewährtes an. So lässt ZDFneo ein zweites Mal das "TVLab" ans Werk, bei dem innovative TV-Formate gefördert werden sollen. Für das Projekt haben den Mainzern zufolge 45 verschiedene Produktionsfirmen über 100 unterschiedliche Formatideen eingereicht. Darunter finden sich Spielshows, Comedy-Programme, Reportagen, fiktionale Serien, aber auch Magazine. Noch im März will die ZDFneo-Redaktion entscheiden, welche Ideen in Pilotfolgen gegossen und ausprobiert werden, um eventuell in Serie zu gehen. Kopien oder Adaptionen haben laut Sender keine Aussicht auf Erfolg. Die "TVLab"-Pilotfilme werden bei ZDFneo und auch online gezeigt, abgestimmt wird im Internet.

Für das bereits gut eingeführte "neoParadise" und seine Gastgeber Joko und Klaas scheut ZDFneo indes keine Mühen – man holt prominente TV-Gäste. Diese Woche nimmt am Donnerstag um 22.45 Uhr ARD-Talkerin Anne Will auf der "neoParadise"-Couch Platz. Drei Wochen später ist dann ihr Kollege Frank Plasberg dran.

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