ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling macht immer wieder neues Wachstumspotenzial aus.
ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling macht immer wieder neues Wachstumspotenzial aus. © Foto:ProSiebenSat.1

| | von Petra Schwegler

Warum ProSiebenSat.1 für 2012 neue Rekorde anpeilen kann

ProSiebenSat.1 strotzt nach einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr vor Selbstvertrauen – und will 2012 die Zahlen toppen. Konzernchef Thomas Ebeling hat als Wachstumstreiber die Sender in Skandinavien, Österreich und der Schweiz ausgemacht – aber auch den noch jungen Frauensender Sixx (der den Hauptpart des Marktanteilszuwachses der Familie beisteuert) und das Geschäft mit digitalen Medien, darunter die starke Sparte Games.

Wie das Unternehmen am Donnerstag weiter mitteilt, soll das wichtige Flaggschiff Sat.1 mit einem neuen Tages- und Vorabendprogramm auf Kurs gebracht werden. Neue Formate aus allen Genres für die Access-Prime sollen im September einstarten; nach dem Erfolg mit "The Voice" hat der Konzern bei John de Mol zusätzlich die Shows "The Recruits" und "The Best" eingekauft, "The Winner is" mit Linda de Mol startet im April. Derzeit zeigen beim Sender die Zeichen ohnehin nach oben: Sat.1 schließt den TV-Monat Februar mit einem deutlichen Zuwachs wieder über der Zehn-Prozent-Hürde ab und meldet 10,6 Prozent werberelevanten Marktanteil. Über elf Prozent sollten es dann schon auf lange Sicht werden. Generell schielt Ebeling zunehmend auf den Gesamtmarktanteil der Familie - das sei der zunehmenden Fragmentierung des Fernsehmarktes geschuldet, heißt es. Der geplante neue Free-TV-Spartensender - wohl für ältere Männer - soll noch 2012 kommen.

Hatte zur Jahrespressekonferenz seinen letzten Auftritt bei der TV-AG: Andreas Bartl (Foto: ProSiebenSat.1).

Hatte zur Jahrespressekonferenz seinen letzten Auftritt bei der TV-AG: Andreas Bartl (Foto: ProSiebenSat.1).

Zu den Zahlen: Nach dem Verkauf der niederländischen und belgischen Sender ist der Umsatz der Familie um sechs Prozent auf 2,76 Milliarden Euro angewachsen, das Betriebsergebnis steigt um 7,4 Prozent auf 850 Millionen, und der Jahresgewinn legt sogar um 12,4 Prozent auf 309 Millionen Euro zu. Starkes Wachstum liefert das internationale Free-TV-Geschäft mit einem Umsatzzuwachs um 12,6 Prozent. Der deutsche TV-Bereich wächst um 3,7 Prozent, der Wegfall von N24 ist kompensiert. Nach dem Abbau des Schuldenberges von 3,0 auf 1,8 Milliarden Euro erwartet ProSiebenSat.1 allein schon dank der niedrigeren Zinslast einen Gewinnschub.

Aber auch für das operative Geschäft zeigt sich Ebeling optimistisch - der Start ins neue Jahr sei gut gewesen, über alle Kunden hinweg sind bisher zwei Prozent mehr an Werbe-Commitments bisher zusammengekommen. Vor allem der Mittelstand buche stark beim TV-Konzern, heißt es auf der Pressekonferenz. Trotz Konjunkturdelle erwartet Ebeling daher wachsende Werbeerlöse für die Sendergruppe auch in Deutschland - im niedrigen einstelligen Bereich. Das Fernsehen soll zudem Marktanteile von den Printmedien gewinnen (was Kenner der Mediabranche bereits bestätigen) und durch Internet-Angebote zulegen. Fußball-EM und Olympische Spiele dürften im Sommer zwar den Zuschaueranteil sinken lassen, weil sie bei ARD und ZDF gezeigt werden. Aber der Werbekuchen für ProSiebenSat.1 und RTL werde nicht kleiner, sondern nur zeitlich anders verteilt.

Darüber hinaus sieht Ebeling im Pay-TV mehr Potenzial. Wie vor genau einem Jahr versprochen, soll nun die Abo-TV-Flotte der Fernsehfamilie Anfang Mai vergrößert werden: mit ProSieben Fun und Sat.1 Emotions. Wirklich neu ist nur ProSieben Fun - die TV-AG verspricht hier ein junges abwechslungsreiches Programm und einen echten Pay-TV-Bruder der Sendermarke ProSieben mit den erfolgreichsten Show- und Comedyformaten des Senders, Blockbustern, US-Serien, Musikhighlights sowie Action-Sport Events.

Sat.1 Emotions entsteht dagegen aus Sat.1 Comedy. Der "neue" Abosender steht künftig für "moderne Unterhaltung mit Gefühl". Im Mittelpunkt stehen "Träume, Sehnsucht, Romantik und Liebe", wie es heißt. Zudem zeigt der Sender die beliebtesten Sat.1-Telenovelas, Primetime-Serien und eigenproduzierten Filme, teilweise in Erstausstrahlungen. Kabel eins Classics bleibt wie gehabt. Alle drei Pay-TV-Angebote werden ab Mai sowohl in SD- wie auch in HD-Qualität ausgestrahlt - wobei der Konzern in HD ein großes Wachstumsfeld ausmacht. Die zusätzlichen Abosender dürfte noch maßgeblich Andreas Bartl mitentwickelt haben, ausgeschiedener TV-Vorstand des Hauses und seit dem heutigen 1. März selbstständiger Berater. Er wid auf der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstagmittag als "Gast" begrüßt. Dort bedankt er sich nochmals öffentlich bei seinen Vorstandskollegen für die gute Zusammenarbeit - und macht sich dann auf zu neuen Ufern mit Bartl Media.

Längst hat Ebeling Wachstumspotenzial auch in den Inhalten des Hauses ausgemacht. Kein Wunder, dass SevenOne International, weltweiter Programmvertrieb der ProSiebenSat.1 Group, nun weiter expandiert, eine Dependance in Hong Kong eröffnet und mit einer Niederlassung vor Ort seine Verkäufe in den asiatischen TV-Markt ausweitet. Auch das Australien-Geschäft wird von Hong Kong aus mitbetreut. "Englischsprachige Märkte gewinnen für SevenOne International zunehmend an Bedeutung, da das Portfolio des Programmvertriebs immer mehr englischsprachige Fiction-Programme Enthält", heißt es zur Erklärung. Geschäftsführer Jens Richter fügt hinzu: "Schon heute befinden sich mehr als 50 Prozent aller weltweiten TV-Haushalte in Asien. Der Markt bietet uns als Programmvertrieb langfristig ein enormes Wachstumspotenzial." Nachschub aus München ist gesichert: Die Senderfamilie entwickelt derzeit rund 200 neue Formate. Das Fernziel der ProSiebenSat.1-Gruppe: 2015 soll jeder zweite Euro außerhalb des bisherigen Kerngeschäfts, dem deutschen TV-Werbemarkt, erlöst werden.

Ein Zukauf im Ausland steht schon mal fest: ProSiebenSat.1 will sich nach Puls 4 einen weiteren österreichischen TV-Sender holen. So soll laut einer Mitteilung der Wiener Sparte des Konzerns Austria 9 zur Gruppe stoßen. Nach einem Relaunch soll der Privatsender voraussichtlich im Sommer neu starten. Hauptgesellschafter des 2007 gestarteten Senders Austria 9 war ursprünglich Burda. Ende 2009 verabschiedete sich der Verlag und verkaufte Anteile an den Geschäftsführer Conrad Heberling sowie dessen Schwager, Ex-RTL-II-Chef Josef Andorfer. Seither war der Sender auf der Suche nach neuen Investoren.

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