Formatt | | von Petra Schwegler

Warum Zeitungsforscher Röper den Journalismus abschreibt

Der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper vom Formatt-Institut zeichnet ein sehr düsteres Bild vom Berufsstand des Journalisten. "Journalismus ist nicht mehr erstrebenswert. Ich rate allen, tut euch diesen Beruf nicht an. Die Attraktivität hat massiv nachgelassen", zitiert die Journalistenplattform "Newsroom" den Branchenkenner nach einer Veranstaltung im Erich-Brost-Haus auf Einladung der Deutschen Journalisten-Union (dju in Verdi) zum Thema "Zeitungslandschaft NRW im Wandel".

 

Aktueller Aufhänger für Röper ist dabei die Entlassung der Redaktion der WAZ-Tageszeitung "Westfälische Rundschau" in der vergangenen Woche. Eine Chance, die "Westfälische Rundschau" zu retten, sieht Horst Röper allerdings nicht mehr, die Entscheidung "sei gefallen". Die WAZ-Mediengruppe habe es bei ihrer Zeitung "Westfälische Rundschau" seit Jahren versäumt, sich von defizitären Ausgaben zu trennen.

Dann zählt Horst Röper diverse Punkte auf, warum er den Journalismus abschreibt: Der Medienforscher betont, dass der Lesermarkt seit den 1970er Jahren nicht mehr wachsen würde. Die aktuelle Print-MA zu Zeitschriften bestätigt den Trend. Einzig durch Verdrängung und Abwerben von Abonnenten seien Auflagen gestiegen. Die Arbeitssituation für Journalisten sei im Moment besonders schlimm. "Die Arbeitslosenquote ist doch geschönt", so der Zeitungsforscher. Die Arbeitslosigkeit unter Journalisten sei eigentlich wesentlich höher als von der Arbeitsagentur gemeldet, da sich freie Kollegen oft nicht arbeitslos melden würden.

Guten Gewissens könne er heute niemanden mehr empfehlen, Journalist zu werden. Einzige Hoffnung für den Lokaljournalismus im Land sei die "Vielfaltsreserve Internet", betont der Medienkenner mit Blick auf die Chancen im Online-Journalismus. 63 lokaljournalistisch geprägte Portale außerhalb des etablierten Systems habe das Formatt-Institut in 2012 gefunden, aber das sei noch viel zu wenig für die Vielfalt im lokalen Markt, zitiert "Newsroom" den Medienfachmann.

Die Zeitungskrise - Ende 2012 hat Gruner die "FTD" geschlossen, die "Frankfurter Rundschau" könnte in Kürze folgen - hat den Nachwuchs offenbar schon abgeschreckt. Gegenüber W&V Online hat Jörg Sadrozinski, Leiter und -Geschäftsführer der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München erst vor kurzem eingeräumt, dass die Zahl der Anmeldungen um ein gutes Viertel zurückgegangen sei.

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Funke-Umbau und TV-Pleiten reduzieren Medienvielfalt in NRW

von Petra Schwegler

Online-Portale als "einziger Hoffnungsschimmer für eine größere Vielfalt der lokalen Berichterstattung in NRW": So lautet das Fazit des neuesten Medienkonzentrationsberichts der Düsseldorfer Medienanstalt LfM. Im Kern besagt die Analyse, dass die Medienvielfalt in Nordrhein-Westfalen "in den letzten Jahren dramatisch" abgenommen habe. Vor allem Tageszeitungen und Lokal-TV seien von diesem Negativtrend betroffen.

Erneut hat die LFM – wie alle drei Jahre - das Forschungsinstitut Formatt in Dortmund unter der wissenschaftlichen Leitung von Horst Röper mit der Marktanalyse beauftragt. Röpers Werk kommt zu dem Schluss: "Der Zeitungsmarkt NRW hat in Bezug auf die Angebotsstruktur in wenigen Jahren quasi im Zeitraffer einen Konzentrationsprozess durchgemacht wie andere Flächenländer zum Teil über Jahrzehnte. Unter anderem durch Zusammenlegung und der Schließung von Redaktionen hat Nordrhein-Westfalen einen Monopolisierungsgrad erreicht, der weitgehend jenem in anderen Flächenländern entspricht", heißt es im Medienkonzentrationsbericht 2015.

Damit wird vor allem auf die massiven Umbauten in der Funke Mediengruppe angespielt, wo unter anderem 2013 das 120 Mann starke Team der "Westfälischen Rundschau" aufgelöst wurde.

In Zahlen ausgedrückt sieht der Rückgang so aus: Bei den Tageszeitungen ist die verkaufte Auflage seit 2002 der Studie zufolge um 1,6 Millionen Exemplare auf 3,4 Millionen zurückgegangen. Die Zahl der Tageszeitungen verringerte sich von 40 auf 38 Titel. "In 2015 konnten 46,1 Prozent der Bevölkerung nicht mehr zwischen Zeitungen mit unterschiedlicher Lokalberichterstattung wählen. Das sind gut acht Millionen Einwohner. In 2012, dem Zeitpunkt des letzten LfM-Berichtes, waren es noch fünf Millionen Einwohner gewesen", heißt es da.

Hier die Zahlen in einer Tabelle von LfM und Formatt:

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Auch beim privaten Lokal-TV reduzierten sich die Angebote demnach deutlich. Von ehemals sieben lokalen Fernsehsendern sind nach dem Ende von Köln TV nur noch drei Anbieter übrig geblieben. Mit NRW TV habe nun auch der einzige private landesweite Sender Insolvenz angemeldet, bedauert das Team um LfM-Direktor Jürgen Brautmeier. Er blickt auf insgesamt 93 lokaljournalistische Onlineangebote, die unabhängig von sonstigen Medienunternehmen im beobachteten Zeitraum gegründet wurden. "Ein Vielfaltsgewinn" sei das, meint Brautmeier und betont:

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"Jeder Marktzutritt ist uns im Sinne der Vielfalt willkommen, auch wenn die journalistischen Produkte anfangs noch nicht immer vollkommen sein mögen."

"

Der komplette Bericht ist hier einsehbar.

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