| | von Manuela Pauker

Welt Kompakt: Mutiges Experiment mit wütenden Lesern

Viele Leser der "Welt Kompakt" haben sich - zumindest im Online-Auftritt des Blattes – über das Experiment, die heute vorliegende Ausgabe mal nicht von der Redaktion, sondern von Bloggern erstellen zu lassen, bislang nicht geäußert. Bei denjenigen, die einen Kommentar abgegeben haben, kam die so genannte "Scroll Edition“ der Springer-Zeitung aber gar nicht gut an: "Ich erwarte, wie jeden Morgen, eine kompakte Ausgabe von Politik, Wirtschaft und Sport und nicht solche Berichte, die von 20-jährigen Möchtegern-Journalisten in eben jener Spache, ich nenne es mal 'Chat-Slang‘, verfasst wurden“, ärgert sich etwa einer der Nutzer. "Ich hoffe es bleibt bei diesem einem Experiment, denn meine Zeitung ist bereits im Papierkorb gelandet, wo sie im Moment hingehört“, schreibt ein anderer.

Tatsächlich ist die Ausgabe, die der Springer-Verlag von 23 namhaften Bloggern (darunter Tim Cole, Michael Kausch, Jeff Jarvis oder Robert Basic) verfassen ließ, erst mal gewöhnungsbedürftig. Das Blatt kommt im Querformat daher, geblättert wird von unten nach oben. Das Layout sieht dadurch natürlich ebenfalls extrem anders aus: Die gesamte "Welt kompakt" wirkt optisch eher wie das Feuilleton einer leicht avantgardistischen Wochenzeitung – mit langen Texten, durchnummeriert von 1 bis 31.

Das könnte durchaus interessant sein – leider sieht das Layout streckenweise aus, als hätten die Blogger auch diese Abteilung mal eben übernommen. Längere Texte wirken doch recht bleiwüstig, Headlines laufen durch Bilder – und da dabei dunkle Schrift auch mal auf dunkle Fotos trifft, wird das Lesen streckenweise mühsam. Dass News in dieser Ausgabe so gut wie keine Rolle spielen würden, war vor dem Experiment natürlich klar. Doch sie sind im wahrsten Sinne des Wortes arg an den Rand gedrängt – insbesondere die Wahl des neuen Bundespräsidenten kommt reichlich kurz, was natürlich auch den drei Wahlgängen und dem frühen Redaktionsschluss der Extra-Ausgabe geschuldet ist.

"Wir haben diskutiert, geschwitzt, uns einander angenähert - und am Ende ist tatsächlich eine Zeitung dabei herausgekommen. Eine Zeitung, die ganz anders ist als das, was wir jeden Tag produzieren“, schreibt der stellvertretende Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, Frank Schmiechen im Beitrag 01. Stimmt. So ein Experiment zu wagen, ist natürlich auf jeden Fall mutig und lobenswert. Es ist nur zu befürchten, dass der Durchschnittsleser für Versuche dieser Art nur ein begrenztes Verständnis aufbringt. Oder, in den Worten von "Welt Kompakt“-Online Kommentator "WK-Abo“: "Sollte sich eine Ausgabe solcher Art wiederholen, werde ich mein Abo umgehend kündigen.“

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