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20 Jahre Mauerfall: Erinnerungen an den Herbst 1989
1989 war ich 14, Schüler in einer Kleinstadt bei Hamburg und mit den Verhältnissen in der "Zone" bestens vertraut, denn meine Eltern pflegten seit Anfang der 80er Jahre eine samariterhafte Verbindung nach drüben. Anfänglich über irgendwelche familiären Kontakte lernten sie mehrere Familien kennen, kurz vor der Wende waren es dann drei in Schwerin, eine im Erzgebirge und eine in Ost-Berlin. Es wurden nicht nur Pakete geschickt, sondern auch regelmäßige Besuche unternommen. Mindestens 15 Mal bin ich in diesen Jahren über den Grenzübergang Gudow oder auch Lauenburg gefahren, um diese dankbaren, freundlichen Menschen zu besuchen.
Wie es der Zufall wollte, hatten wir auch ein Visum für den 10. November 1989. Nach der Schule sollte es gleich losgehen und so fuhren wir über Lauenburg Richtung Schwerin. Die Trabbi-Dichte wurde höher und die Straße in unsere Richtung immer leerer. Man hatte den Eindruck, dass alle Schweriner Trabbis eine Kolonne zur Grenze bildeten. Wir hatten freie Fahrt.
Ein paar hundert Meter hinter der Grenze sahen wir einen Anhalter, den nahmen wir natürlich freudig mit, denn so hatte man jemanden zum Erlebnisse teilen. Ihm ging es nicht anders. Er kam aus Schwerin und war voller Hoffnung zur Grenze gefahren, hatte aber aus Dusseligkeit seinen Pass zu Hause gelassen…und ohne ging es auch nach dem Mauerfall nicht rüber. Als wir dann bei unseren Bekannten in Schwerin waren, wurde nur fern geschaut und über die neuesten Entwicklungen debattiert, wovon ich nicht mal die Hälfte verstand.
Zurück ging es dann abends im Gewühl lauter stinkenden Trabbis. An der Grenze angekommen sahen wir von Weitem schon, dass immer mehr Leute an die Grenze gekommen waren und JEDEN einzelnen Trabbi mit lautem Getrommel und "Wahnsinn"-Schreinen begrüßen…einige hatten sogar kleine Geschenke mit. Als wir dann "an der Reihe" waren, verstummten alle und stutzten, uns wurde nicht aufs Dach geklopft, denn wir saßen in einem recht neuen Golf II.
Als meine Mutter fragte, ob wir denn gar nicht begrüßt würden, lugte plötzlich der Oberkörper eines wildfremden Mannes ins Wageninnere und umarmte und knutschte meine Mutter mit den Worten: "Aber natürlich, herzlich willkommen im Westen" und schon setzte auch bei uns das Getrommel ein.
Wenn man sich diese Zeiten nochmals durch den Kopf gehen lässt, mag man sich gar nicht vorstellen, wie eine so schnelle und tiefe Ernüchterung diese Euphorie vertreiben konnte. Für mich war es eines der eindrucksvollsten und vielleicht auch schönsten Erlebnisse meines Lebens, denn ich freute mich damals wahnsinnig für die Menschen im (in vielerlei Hinsicht benachteiligten) Teil Deutschlands.










