In der Kategorie Titanium verlieh die Jury drei Löwen an BV McCann Erickson („ROM“), an DDB Stockholm für die VW-Arbeit „Bluemotion Technologies“ und an Bing/Jay-Z und Droga5. Einen Grand Prix in Titanium gab es nicht. „Der Titanium-Grand Prix soll zeigen, wohin die Reise geht“; sagt Armin Jochum, Kreativchef von Jung von Matt und deutsches Mitglied der Jury. Alle drei ausgezeichneten Arbeiten würden zwar für einen wichtigen und innovativen Aspekt stehen. So sei Jay-Z/Bing ein Meilenstein in der Frage danach, wie Kommunikation heute funktionieren muss. VW zeige endlich, wie Crowdsourcing funktionieren könne. Und die Arbeite für den Schokoriegel „ROM“ zeichne sich vor allem durch den Mut von Agentur und Unternehmen aus. Dennoch: „Es gab nicht die Arbeit, die ein wirklich neues Kapitel aufschlägt“, so Jochum. „Der nächste Quantensprung war einfach nicht dabei.“

Aus deutscher Sicht ist das Ergebnis durchaus zufriedenstellend – in den vergangenen Jahren gab es nur 2009 einen Integrated-Löwen, damals gab es Silber für „Das Haus der Vorstellung“ von Heimat für Hornbach.

Dennoch stellt Jochum fest: „Die deutschen Agenturen werden hier in Cannes zurecht gefeiert, denn wir sind mittlerweile in der Lage, große Ideen zu entwickeln.“ Eine große Schwäche aber sei es momentan noch, die großen Ideen auch in große Kampagnen umzusetzen. „Da müssen wir die Auftraggeber noch mehr mitnehmen.“ Er gibt sich jedoch zuversichtlich: „Es gibt eine globale Sehnsucht auch der Unternehmen nach den großen Stories.“

Damit es künftig gelingt, die großen Budgets in die großen Ideen zu stecken, fordert er den unternehmerischen Mut der Unternehmen, sich künftig weniger an starre Mediapläne zu halten. „Es geht nicht mehr darum, alles Kanäle zu bespielen“, sagt er. „Es geht darum, auf das beste Medium zu setzen und das Richtige zu tun.“ So habe die Jury während ihrer Arbeit die Kategorie auch definiert.

Für sich selbst und seine Agentur kommt der Kreative zu dem Schluss: „Es ist einiges zu tun.“ Für Jung von Matt geht es im kommenden Jahr unter anderem darum, die Auszeichnung als „Independent Agency of the Year“ zurück zu erobern. Die geht in diesem Jahr an Wieden + Kennedy.


Lena Herrmann
Autor: Lena Herrmann

Lena Herrmann ist freiberufliche Journalistin, Podcast-Redakteurin und Moderatorin. Ihr Handwerk hat sie bei W&V gelernt, wo sie Marketingthemen betreut und unter anderem die W&V-Podcasts entwickelt und betreut hat. Ihr Herz schlägt für gute und spannende Inhalte, die sie gerne erstellt, aber auch gerne dabei hilft, sie für andere sichtbar und hörbar zu machen. Als Podcast-Host sitzt sie regelmäßig vor dem Mikrofon, als Moderatorin steht sie leidenschaftlich gerne auf der Bühne.