Die Wahl in Bremen: Der Coolness-Faktor der Grünen
Thema des Tages: Als erstes Bundesland hat Bremen das Wahlrecht ab 16 Jahren eingeführt. Zum Wechsel und einer höheren Wahlbeteiligung hat das bei der Wahl am Sonntag jedoch nicht geführt. Und auch die Wahlwerbung ließ die Jugend meist außen vor.
Der Teenie-Star Justin Bieber wird vor allem von pupertierenden Mädchen angeschwärmt und von anderen Jugendlichen eher gehasst, aber immerhin haben Die Grünen in Bremen und Bremerhaven mit dem ironischen Wahlplakat "Wir waren schon Biber-Fans, bevor es Justin gab" direkt die jugendlichen Wähler angesprochen. Bremen hat als erstes Bundesland das Wahlrecht ab 16 Jahren eingeführt, doch in der Wahlwerbung war davon nur wenig zu spüren.
Wie schon im Vorfeld prognostiziert, machte die SPD-Hochburg ihrem Ruf alle Ehre. Seit 66 Jahren regieren die Sozial-Demokraten in der Stadt, und das dürfen sie auch weiterhin mit dem angesehenen Bürgermeister Jens Böhrnsen an der Spitze. Allerdings hat die SPD (38,3 Prozent: +1,5) mit den erstarkten Grünen (22,7 Prozent, +6,2) einen selbstbewussten Koalitionspartner an der Seite, der seinen Siegeszug fortführt und - historisch einmalig - die Union locker überholte.
CDU (20,1 Prozent: - 5,6) und FDP (2,6 Prozent: -3,4) wurden abgestraft von den Wählern. Die FDP flog gar aus dem Landtag, da halfen auch Philipp Rösler und der joggende Kandidat auf den Wahlplakaten nichts. Dafür hielt sich Die Linke (5,8 Prozent: -2,6) im Parlament, die in der Wahlwerbung nicht nur gegen Hartz IV, Armut und Dumping-Löhne wetterte, sondern sich auch für Jugendräume stark machte. Die Partei "Bürger in Wut" kam auf immerhin 3,7 Prozent (+2,9) und stellt jetzt einen Vertreter.
Die Wahlwerbung schaffte es nicht, mehr Wähler zu mobilisieren: Die Wahlbeteiligung lag bei mauen 54 Prozent - jeder Zweite in Bremen und Bremerhaven ging nicht zur Wahl. Gegenüber Spiegel Online erklärten Wahlforscher, dass die Über-60-Jährigen maßgeblichen Anteil am Erfolg der Sozialdemokraten haben. Bei den erstmals wahlberechtigten 16- und 17-Jährigen sind die Grünen mit 34 Prozent noch etwas stärker als bei allen jüngeren Wählern.
Auch den W&V-Lesern gefiel die Werbung der Grünen gut, der joggende FDP-Kandidat fand in unserer Abstimmung vor ihren Augen ebenfalls Gnade. Noch besser schnitt allerdings Die Linke mit ihren Parolen ab, während SPD und vor allem die CDU das Schlusslicht bilden.