Innovationstag 2010: "Classic goes Online"
Promi-Auflauf in der Münchner Maxvorstadt: Auf dem Innovationstag der Serviceplan-Gruppe treffen sich Top-Manager der Medien- und Werbewelt. W&V Online ist dabei und zeigt die Video-Interviews.
Spricht ein Brite in Deutschland, kommt er unweigerlich irgendwann auf das Thema Fußball. Im Ranking der kreativsten Nationen, die am Cannes Werbefestival 2010 teilnahmen, liegt Deutschland hinter Großbritanien auf Platz drei - im Fußball seien die Kräfteverhältnisse ja meistens anders, merkte Philip Thomas, CEO Cannes Lions, bei seinem Vortrag auf dem Innovationstag der Serviceplan-Gruppe in München, etwas bitter an.
Thomas sprach zu den großen Trends innerhalb der Kreativitätsbranche, zu denen er die "Demokratisierung der Kreativität" zählt. Große kreative Ideen kämen nicht mehr nur aus den großen Ländern und Städten wie New York oder London, sondern inzwischen vielfach aus kleinen Agenturen in kleinen Ländern. Zu den diesjährigen Löwen-Gewinnern zählten beispielsweise Agenturen aus Vietnam oder Belgien. Das kleine Neuseeland räumte laut Thomas auf dem diesjährigen Werbefestival 25 Preise ab. Stark aufgeholt haben laut dem Cannes-CEO auch die Independents gegenüber den Networks, was sich auch in der Cannes-Statistik widespiegle. 46 Prozent aller Löwen haben 2010 kleine unabhängige Agenturen gewonnen. Die Beherrschung der verschiedenen Technologien, die Thomas anhand einer Fülle von Crossmedia-Kampagnen vorführte, ist laut ihm keine Option mehr, sondern inzwischen schlichte Notwendigkeit - ein Allgemeinplatz, der offenbar nicht oft genug wiederholt werden kann.
Einen Blick in die Zukunft der Medien wagte Matthias Ehrlich, Vorstand der United Internet Media AG, die seiner Meinung nach nur eine konvergente sein kann. "Die Medienwelt explodiert derzeit in ihrer Vielfalt", postulierte Ehrlich, mit all seinen Folgen wie Individualisierung, fragmentierte und parallele Nutzung der Medien. Dabei müssten die klassischen Medien von den neuen Medien wie dem Internet lernen, die ihnen als "offene, anarchische Systeme" überlegen seien. "Classic goes online", erklärte der UI-Chef. Die klassischen Medien müssten die Online-Welt lernen. Allerdings gehe es nicht, so Ehrlich, um die Frage ob Internet oder TV, sondern um TV UND Internet. Schon in einem überschaubaren Zeitraum werden laut Ehrlich in Deutschland 25 Millionen Hybrid-Fernsehgeräte stehen, die die beiden Medien miteinander verschmelzen.
Eine goldene Zukunft sagte Ehrlich, was wunder, dem Targeting voraus. Dabei gehe es nicht um die Minimierung von Streuverlusten, im Grunde also um Kostenminimierung, sondern darum, die richtige Botschaft an die richtigen Leute zu bringen: "Targeting wird morgen ein Must sein." Für die Werbewirtschaft hatte Ehrlich aber einen Trost bereit. Abseits aller Paid-Content-Versuche werde "die Werbung der Motor der digtialen Welt" bleiben. Zum
Zum Innovationstag von Serviceplan sind Marketing-Manager, Kreative und Medienleute aus ganz Deutschland eingeladen. Zu den Referenen gehören u.a. Sky-CEO Brian Sullivan und Gruner + Jahr-Chef Bernd Buchholz.