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"Propheten und Lautsprecher": Social-Media-Experten streiten über Fachkompetenz
Längst ist Social Media den Kinderschuhen entwachsen. Coca-Cola, Görtz und Pepsi machen gerade vor, was sich mit den sozialen Medien zu Werbezwecken alles anstellen lässt. In Dienstleisterkreisen wird dagegen noch immer aufs Heftigste diskutiert, wem das Berater-Zepter zusteht. PR? Online? Oder doch den klassischen Agenturen? Laut den jüngsten virtuellen Debatten sind sich die Social-Media-Protagonisten verschiedener Agenturen wenigstens in einem einig: Selbsternannte Berater ohne Praxiskompetenz haben hier nichts verloren.
Namen nennt niemand. Trotzdem wird klar, wen die Social-Media-Profis mit ihrer Blog-Kritik meinen. Es sind die Experten, die auf den meisten Social-Media-Konferenzen zwar gern gesehene Gäste sind und Unternehmen beratend zur Seite stehen. Allerdings, so der Konsens der Beiträge, könnten sie zu wenige praktische Arbeiten als Referenzbeispiele anführen.
Und das ist wie von Sex zu reden, ohne je welchen gehabt zu haben, schreibt etwa Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der die digitale Strategie bei der Hamburger Agentur Achtung verantwortet. Ein "ulkig selbstreferenzielles System" sei die Social-Media-Szene derzeit, zieht er in seinem Blog Fazit. Dabei ist die Zeit der "Propheten und Lautsprecher" längst vorbei. Den Kunden helfen könne nur, wer "auf die Erfahrung zahlreicher Experimente in den Jahren 2005 bis 2009 zurückblicken kann".
Zu oft versammeln sich die, "die weder Rang noch Namen haben", moniert auch Nico Lumma von Scholz & Friends auf Lummaland. Besonders aufgefallen sei ihm das auf der Social Media Week im Februar in Berlin, wo sich "die ewig gleiche Crowd trifft".
Ganz ähnlich bei Christian Bölling, Häberlein & Mauerer, unter AmEndedesTages.com. Er hält es für ein schlechtes Zeichen, dass die meisten der Social-Media-Profis mehr über Kongresse und Veranstaltungen tingeln als tatsächlich sichtbare Ideen zu verwirklichen. Offenbar, schreibt Bölling, scheint niemand die Vortragenden danach zu fragen, was sie denn in Wirklichkeit schon bewegt haben. "In den Biografien steht dann 'führender Vordenker‘, 'sprach bereits bei‘ und so weiter", kritisiert er.
Und wie weiter? Christian Bölling gibt die Frage an die Blogleser ab. Das Grundthema der Social-Media-Veranstaltungen sollte lieber "Streit" sein, meint dagegen Nico Lumma. Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach bleibt bei der Analogie: "Social Media, sagen manche, sei Rock’n’Roll oder Punk oder eine Revolution. Ich finde ja eher, Social Media ist Sex. Aufregend, ja. Aber auch normal und irgendwie alltäglich. Zumindest für Erwachsene." Diese Diskussion dürfte die Agenturen wohl noch einige Zeit beschäftigen.
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Winderl Redakteur













