Gesammelte Nachrichten-Schnippsel sind mit Quellenangaben gekennzeichnet und verlinken von hier direkt auf die Webseite, von der die Information stammt. In der App bleibt der Leser trotzdem und kann per "Fertig"-Knopf zurückkehren zur aktuellen Seite. Aus der Seitenübersicht der Rubriken, etwa "News: Netz + Politik" lässt sich direkt zu den angekündigten Texten springen, blättern ist also nicht nötig, wenn der Nutzer sofort weiß, dass er beispielsweise zu Steve Jobs mehr wissen will als über Facebook.

Besser verkauft als umgesetzt sind die "interaktiven Grafiken": Das Interaktivste an ihnen ist, dass sie auf Wunsch eingeblendet werden - oder eben nicht. Dass man dann dabei zuschaut, wie sich die Elemente nacheinander aufbauen, ist weder inter noch aktiv. Ab und zu muss das neue Element selbst zugeschaltet werden. Das reicht nicht überall. Von der Etikettierung abgesehen ist der Gedanke aber gut, im "Gucken statt Lesen"-Modus Grafiken für diejenigen anzubieten, die mehr wissen wollen und auf Zahlen und Zeitleisten stehen. Ähnlich der Einsatz von Videos: Kurze Filme anzubieten ist aller Ehren Wert und ein Muss auf dem iPad. Zeit und Geld für einen professionellen Sprecher sollten aber investiert werden, weil das Anschauen sonst allzu mühsam wird.

Natürlich kommen iPad-Nutzer und ihr liebstes Hobby, das iPad, thematisch auf ihre Kosten. Eine Zeitleiste der Tablet-Entwicklung steuert die Redaktion bei und ruft 2011 zum "Jahr der portablen Rechner" aus. App-Tests stellen Programme vor, die der iPad-Nutzer nicht missen will. Zum Laden allerdings flieg man aus der "Chip"-App - wird davor aber zuvor gewarnt. In der "Tipps & Tricks"-Sektion gibt es außerdem ein iPad-Kapitel. Darüber hinaus fehlen gewohnte "Chip"-Themen für Computertechnik-Freunde nicht, etwa Multi-Core-CPUs oder Angstthemen wie PC-Sicherheit und Schutzmaßnahmen sowie Praxistipps und Tests. Diese strotzen nur so vor Tabellen. Vor der Unübersichtlichkeit bewahrt sie ein Trick, abgeschaut von einer Basisfunktion des Tabellenprogramms Excel: Damit die Übersicht vielen Datenspalten nicht verloren geht, hat die Redaktion die linke Spalte mit den Produktnamen einfach fixiert, in den Detailangaben wird dann vom Leser gescrollt.

Nervig: Bei nur einem Werbekunden landet der Leser leider alle paar Seiten auf derselben Nivea-Anzeige und erfährt ein ums andre Mal, dass "wenigstens die Haarkrise gelöst" sei.

Fazit: Eine prall gefüllte und insgesamt gelungene iPad-Version des Titels, die die Zielgruppe zufrieden stellen dürfte und die Kompetenzen der Redaktion clever spielt.


Autor: Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.