DLD: 2012 als Jahr des Wandels
Auch am dritten Tag war Burdas Digitalkonferenz DLD gut besucht und hochkarätig besetzt. Im Zentrum stand, was 2012 und die Zukunft bringen werden: Mehr Social Web, mehr Verschmelzung von Online und Offline.
Auch am dritten Tag war Burdas DLD gut besucht: Im Maximilianssaal gab es zum Start zwar noch einigen Platz. Doch das Atrium war bis auf den letzten Platz voll - was Googles President Global Sales Operations & Business Development, Nikesh Arora, nicht nur überraschte, sondern auch zu einer Runde Applaus für die "wahren Konkurrenzbesucher" aufrufen ließ. Vortagesprogramm wie Party hatten das Publikum nicht aufgehalten.
Zurecht, denn mit Arora, eBays CEO John Donahoe und vielen anderen fuhr Burda Hochkaräter auf. Suchte man ein Motto für den dritten Tag, wäre es wohl 2012 als Jahr des Wandels – durch die weitere Verschmelzung von On- und Offline, durch die weitere Entwicklung vom Information Web zum Social Web. Ein Prozess, der quer durch alle Branchen Spuren hinterlässt.
In seinem Vortrag zu Future of Business nannte Arora auch inhaltliche Gründe für das große Interesse. "Der Unterschied zwischen digitalem Business und nicht-digitalem Business verschwindet. DLD ist keine bloße Veranstaltung für die Digitalbranche mehr." 2012 sieht er als Jahr signifikanten Wandels: Von der „Information Era“ zur „People Era“. „Wir müssen aufhören, über Produkte und Firmen nachzudenken, und stattdessen über die jeweilige Nutzersituation nachdenken“, forderte der Google-Manager. Anders ausgedrückt: Die Bedeutung von Social, die Rolle des Umfelds für den Zugang zu so ziemlich allem wird immer größer werden. Was als Philosophie zu Googles Handlungen, allen voran dem Start von Google+ passt, aber bei einigen Unternehmen auch Warnlampen angehen lassen dürfte.
2012 als Umbruchsjahr würde wohl auch eBays CEO John Donahoe unterschreiben: "Shopping und Handel werden sich in den nächsten drei Jahren mehr verändern als in den letzten 20", sagte er im Gespräch mit Sonali De Rycker von Accel Partners. Auch hier: Die Grenze zwischen On- und Offline verschwimmt, gerade durch Mobilgeräte. Was nicht heißt, dass der stationäre Handel verschwindet: "Bricks and Clicks" sieht Donahoe als Erfolgsformel. Was dagegen verschwinden wird: "In zwei Jahren trage ich sowas nicht mehr rum", erklärte Donahoe und hielt seinen Geldbeutel hoch.
Nicht neu, aber einer der Publikumslieblinge ist Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, der eine Bilanz des SOPA-Blackouts zog. Das nächste ähnliche Gesetz sei ACTA, bei dem er hoffe, dass das Europäische Parlament ein Zeichen dagegen setze. Zwei Botschaften für die Medienindustrie hatte er auch: Die Motion Picture Association of America solle ihren Chairman Christopher Dodd feuern, der harsche Kritik am Blackout geübt hatte. Und: "Digitale Distributionsplattformen sind eine große Chance für die Medienindustrie. Sie könnten damit anfangen, mich das online kaufen zu lassen, was ich will."
Passend zu den Vorrednern griff auch Facebooks Chief Operating Officer Sheryl Sandberg in ihrem Schlusswort die Entwicklung vom Information Web zum Social Web auf und skizzierte, welche Vorteile Social Media - natürlich vor allem Facebook - böten. Eine Initiative, um mehr kleine und mittlere Unternehmen etwa mit Werbegutscheinen an Facebook heranzuführen, knüpft auch hier an die Verbindung von On- und Offline an.
Ganz generell war die Schlußphase von DLD in Frauenhand: Vor Sandbergs Keynote erhielt Arianna Huffington den Aenne Burda Award for Creative Leadership. Zudem verkündeten DLD-Mitgründerin Steffi Czerny gemeinsam mit Anne Gfrerer (HypoVereinsbank/UniCredit) und Maria-Theresia von Seidlein (S&L Medien Gruppe) den Start ihres Programms zum Gründerinnen-Mentoring. Ein Mentorenprogramm von deutschen Managerinnen für Startup-Gründerinnen. Die Gewinnerinnen werden auch auf DLD Women integriert – was gleich den Weg in die Zukunft, konkret gen Sommer, wies.