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Am Sonntag wollen Kritiker der Zensur den Tweetfluss ins Stocken bringen.
Am Sonntag wollen Kritiker der Zensur den Tweetfluss ins Stocken bringen.

Twitter-Zensur ohne klare Regeln

veröffentlicht am 27.01.2012 um 14:40 Uhr · Digital · Artikel

Twitter will künftig Inhalte in bestimmten Ländern mit entsprechenden Filtern blockieren. Der Kurznachrichten-Dienst begründet diesen Schritt in seinem Blog damit, dass er sich "immer weiter international ausbreite und dabei in Länder vordringe, die unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Formen von Meinungsfreiheit hätten". Das legt die Vermutung nahe, es dürfte auch um Marktanteile in Ländern mit fehlender oder eingeschränkter Meinungsfreiheit gehen. Twitter könne sich mit den Filterwerkzeugen einen einfachen Zugang zum chinesischen Markt erschließen, wo viele Dienste bereits wegen kritischer Meinungen abgeschalten wurden, glauben Beobachter. Das hat im Netz eine Debatte um "Zensur" losgetreten.Twitter spielte eine tragende Rolle beim sogenannten "Arabischen Frühling". Würden künftig Tweets gefiltert, wird es eine Twitter-Revolution nicht mehr geben, ist etwa Jannis Kucharz in einem Blogbeitrag auf netzfeuilleton.de überzeugt.

Geblockte Tweets sollen laut dem Nachrichtendienst in anderen Ländern aber weiterhin verfügbar bleiben. Über die Website chillingeffects.org/twitter sollen entsprechende Blockaden dokumentiert werden, zudem werden die Verfasser darüber informiert. Kritikern stoßen sich insbesondere daran, dass die Kriterien, nach denen einzelne Äußerungen blockiert werden sollen, nicht konkret genannt werden. In der Dokumentation von Chilling Effects finden sich derzeit vor allem Einträge, die mutmaßlich Urheberrechte verletzt haben. "Ich bin gespannt, auf das Twitter-Lösch-GoogleMaps-Mashup, das dann aufzeigt, wann wo welche Tweets gelöscht bzw. geblockt wurden und weshalb. Meine Prognose: 5% Zensur, 95% Urheberrechtsverletzungen", schreibt Nico Lumma in seinem Blog.

Indes rufen einige Nutzer bereits unter #TwitterBlackout für den 28. Januar zum internationalem Twitter-Boykott auf.

(lr/dpa)

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