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Weiterbildung wird wichtiger
Nachwuchs macht sich rar, Fachkräfte werden knapp. Gute Leute sind nur schwer zu finden, die Anforderungen im Job wachsen täglich: gute Nachrichten für die Weiterbildungsbranche, die entsprechend gelassen in die Zukunft blicken kann und nicht einmal groß die Werbetrommel rühren muss – solange sogar auf höchster politischer Ebene die eminente Bedeutung von kontinuierlicher Fortbildung und von lebenslangem Lernen betont wird wie selten zuvor.
Entsprechend optimistisch geben sich die Anbieter des nur schwer überschaubaren Markts: Nachdem im Jahr 2009 auch hier die Krise ihre Spuren hinterlassen hat, melden die Institute nun überwiegend eine stabile oder leicht positive Entwicklung, heißt es beim Wuppertaler Kreis/Bundesverband betriebliche Weiterbildung. Vor allem die Nachfrage nach firmeninternen Maßnahmen habe sich gut entwickelt, so der Verband in seiner neuesten Marktanalyse (s. Tabellen).
Auch die Werbebranche kommt um Zusatzqualifikationen nicht herum, obwohl dort traditionell der Jugendwahn vorherrscht und oft frisch ausgebildete Kreative am Werk sind. Denn viele derzeit nachgefragte Qualifikationen wie etwa Marketing-Experten für Social Media und Suchmaschinen (siehe W&V 31/10) schaffen es erst allmählich in die Lehrpläne klassischer Ausbildungsgänge. Die erforderlichen Kenntnisse werden allenfalls in meist nicht ganz billigen Seminaren und Lehrgängen vermittelt.
Die Fördermaßnahmen kämen aber nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch dem Unternehmen zugute, werben die Anbieter. Schließlich sei die Wechselbereitschaft in der Kommunikationsbranche besonders groß und die Zahl offener Stellen für Werbeprofis habe im ersten Halbjahr wieder deutlich zugenommen. Nach mehrheitlicher Auffassung würde die Bereitstellung von Bildungsmaßnahmen Mitarbeiter-Motivation, Unternehmens-Image und Loyalität positiv beeinflussen. Das ergab eine Umfrage des Berliner Instituts Forsa unter Personalverantwortlichen. An geeigneten Bildungsangeboten für die Werbe- und Medienbranche mangele es nicht, befand kürzlich Michael Geffken. Der Geschäftsführer der Leipzig School of Business beklagt jedoch, dass dem Thema Weiterbildung in den Führungsriegen von Agenturen und Medienhäusern noch nicht der erforderliche Stellenwert beigemessen werde – was Geffken nicht zuletzt angesichts der eingangs geschilderten Trends höchst bedenklich findet.
Vielleicht liegt dies auch daran, dass die Chefs mehr Entgegenkommen erwarten. Zu dieser Annahme verleitet eine Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammerverbands (DIHK). Die Aufwendungen für Weiterbildung sollten sich demnach möglichst erkennbar auf den Erfolg des Unternehmens niederschlagen. Außerdem sollten Mitarbeiter dafür zumindest einen Teil ihrer Freizeit opfern. Mitgliedsunternehmen des Wuppertaler Kreises rechnen denn auch mit wachsender Nachfrage bei Angeboten mit nur kurzer Abwesenheit oder außerhalb der üblichen Arbeitszeit.
Interesse an beruflicher Weiterbildung äußern laut Allensbach-Institut fast 80 Prozent aller Erwerbstätigen. Etwa ein Drittel ist „besonders interessiert“, unter Werbe- und Medienprofis sind es sogar jeweils über 40 Prozent. Dem Statistischen Bundesamt zufolge nimmt aber pro Jahr nur rund ein Drittel aller Beschäftigten an Weiterbildungsveranstaltungen teil. Den Unbelehrbaren geht es dabei weniger ums Geld – meist wird die Qualifikation als ausreichend erachtet.
Wadlinger Redakteur

