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Diskussionen in Social Media: EHEC erschüttert Vertrauen der Verbraucher

Diskussionen in Social Media: EHEC erschüttert Vertrauen der Verbraucher

veröffentlicht am 31.05.2011 um 15:00 Uhr · Media & Marktforschung · Artikel

Seit rund einer Woche bestimmt das Bakterium EHEC die Berichterstattung mit immer neuen Schreckensmeldungen. Dennoch reagieren die Verbraucher noch relativ gelassen. Allerdings ist durch den erneuten Lebensmittelskandal ihr Vertrauen in Industrie und Politik schwer erschüttert worden. Dies zeigt die Analyse "Verbraucherwahrnehmung von EHEC" von den Münchner ODC Services und der Mannheimer Q Agentur für Forschung, die bundesweit mehr als 1.600 Personen zum Thema befragten. Parallel erstellten sie eine Social Media Analyse, für die sie Diskussionen auf rund 7000 deutschen Websites verfolgten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Hälfte der Befragten überzeugt ist, dass die Medien übertreiben und alles nur halb so schlimm ist. Auch die Social Media Analyse belege, dass EHEC bisher vor allem ein Thema der Medien ist. Während sich auf den redaktionell geführten Onlineseiten wie spiegel.de oder stern.de zwischen dem 27. und 29. Mai mehr als 2200 Beiträge zu EHEC finden, gibt es auf Seiten mit stärker nutzergenerierten Inhalten wie Blogs oder Kommentaren nur rund 500 Beiträge. Vor allem Seiten rund um die Themen Gesundheit, Frauen oder Ernährung beschäftigen sich mit der neuen Gefahr, wie z.B. Focus Gesundheit oder Netdoktor.de. Auf Verbraucherseiten wie Oekotest.de haben sich bisher kaum Debatten entwickelt.

Die Analyse zeigt auch, dass sich Frauen (26 Prozent) stärker für das Thema interessieren als Männer (18 Prozent). Bei der Befragung gaben nur 9 Prozent der Männer an, sehr stark beunruhigt zu sein, bei den Frauen sind es 16 Prozent. Entsprechend häufiger tauschen sich Frauen in Social Media über EHEC aus. Die meisten fragen nach der Gefahr einer weiteren Ausbreitung und wie man sich selbst und seine Familie vor den Bakterien schützt.

Insgesamt haben zwei Drittel aller Befragten (67 Prozent) bereits ihre Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten geändert, 36 Prozent verzichten auf bestimmte Lebensmittel und 35 Prozent prüfen das Herkunftsland. Auch Bio-Labeln wird nicht mehr vorbehaltlos vertraut: In der Netzöffentlichkeit stellen Verbraucher in einer Vielzahl von Beiträgen und Kommentaren die Frage, wie sicher Lebensmittel überhaupt noch sind. Eine Blog-Kommentatorin etwa stellt fest, dass ihr durch EHEC „heute selbst die Freude an Bio genommen“ wird. Auch in der Befragung stimmen dementsprechend 33 Prozent der Aussage voll und ganz zu, dass man selbst Bioprodukte nicht mehr bedenkenlos essen kann.

Das EHEC-Drama führt bei deutschen Verbrauchern zu einem weiteren Vertrauensverlust in Politik und Wirtschaft: 34 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass man den Aussagen der Lebensmittelindustrie nicht mehr trauen kann, 53 Prozent sind sogar der Ansicht, dass der Gesetzgeber deutsche Verbraucher nicht ausreichend vor ungesunden Lebensmitteln schützt. Die politische Netzgemeinde ignoriert das Thema jedoch: Gerade einmal 79 Beiträge aus der politischen Blogosphäre –egal ob links, grün, rot, konservativ oder liberal – beschäftigen sich mit EHEC.

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