Die Staatsrechtler betonten ausdrücklich, dass Artikel 5, Absatz 1 des Grundgesetzes die Staatsfreiheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks garantiert. „Was geschieht, wenn es die Garantie der Staatsfreiheit nicht gibt, wird uns derzeit am Beispiel anderer europäischer Staaten vor Augen geführt“, hieß es. „Wir appellieren dringend an die Vernunft und die Sachkompetenz aller Vertreter im Verwaltungsrat. Beteiligen Sie sich nicht an der beabsichtigten staatlichen Einflussnahme auf die Wahl des Chefredakteurs. Qualitätsvoller und unabhängiger Journalismus liegt im Interesse aller.“

Das ZDF wollte den Vorstoß nicht kommentieren, man verfolge ihn aber mit Interesse, hieß es am Sonntag. Zuletzt hatte Intendant Markus Schächter seinem Chefredakteur den Rücken gestärkt. Der Verwaltungsrat, so sehen es die Statuten vor, soll „im Einvernehmen mit dem Intendanten“ den Chefredakteur benennen. Brenders Vertrag läuft 2010 aus. Verlängert wird üblicherweise um fünf Jahre. Damit die Personalie den Verwaltungsrat passiert, sind neun der 14 Stimmen nötig. Vor kurzem wurde spekuliert, dass Brenders Vertrag möglicherweise erst einmal um ein Jahr verlängert würde - dies wurde jedoch dementiert.

CDU-Politiker, allen voran Hessens Ministerpräsident Roland Koch, hatten sich unter anderem wegen der Quotenentwicklung im Informationsbereich gegen eine Vertragsverlängerung des 60-jährigen Nikolaus Brenders im nächsten Jahr ausgesprochen. In dem 14-köpfigen ZDF-Verwaltungsrat - Koch ist stellvertretender Vorsitzender – wird eine Mehrheit dem konservativen Lager zugerechnet. Brender selbst ist parteilos, wird aber in der Farbenlehre des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dem linken Lager zugerechnet.