Kampfansage: Billig-B.Z. will im Ostberliner Revier des Kurier grasen
In drei Ostberliner Bezirken will Springer für seinen gebeutelten Boulevardtitel B.Z neue Leserpotenziale erschließen
Schon am Montag wird Springer in Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen eine reduzierte Ausgabe der "B.Z." namens "B.Z. am Abend" an die Kioske bringen. Sie soll lediglich 40 Cent kosten und wildert direkt im Revier des traditionellen Ost-Boulevartitels Berliner Kurier (DuMont), der 15 Cent mehr kostet.
Als traditioneller Westberlin-Titel verkauft die B.Z auch 20 Jahre nach der Wende immer noch zwei Drittel ihrer Auflage von 167 335 Stück (4. Quartal) in Westberlin. Der vor allem unter Chefredakteur Georg Gafron gern gepflegte Frontstadt-Ton kam im Osten nicht so gut an, die Ostberliner bevorzugten den etwas tantigeren Boulevard des Kurier (Auflage 4. Quartal: 112 979).
In den Stadttteilen, wo nun der Test stattfinden soll, verkauft sich die B.Z. bisher am schwächsten von allen Ostberliner Bezirken. Die B.Z. musste zudem in den vergangenen Jahren dramatischere Auflagenverluste hinnehmen als die Konkurrenz.
Mit der abgespeckten Billigversion will Springer herausfinden, ob der Preis im Ostteil der Stadt Dreh-und Angelpunkt ist, um neue Leser zu erreichen. Redaktionell soll die B.Z. light aber nicht speziell auf die Ostberliner Leserschaft abgestimmt werden. Zeitlich ist der "Markttest" laut einer Spercherin allerdings nicht begrenzt. Eine "räumliche Ausweitung" auf andere Bezirke sei ebenfalls "nicht geplant".
Laut "Meedia" überlegt die DuMont-Verlagsspitze bereits, welche Gegenmaßnahmen sie ergreifen will. "Kurier"-Chefredakteur Hans-Peter Buschheuer sagte dem Mediendienst: "Das Ganze ist nichts anderes als ein hochaggressiver Angriff auf den Kurier. Wir werden uns das nicht gefallen lassen."
In der Vergangenheit hatten allerdings auch die Abotitel "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung" immer wieder mit teuren Marketingaktionen versucht, im jeweils anderen Teil der Stadt Fuß zu fassen. 100prozentig geglückt ist das nie. Mit behutsamen thematischen Erweiterungen wie zum Beispiel einer Klinikserie und Veranstaltungen im Ostteil der Stadt versucht etwa der Tagesspiegel, sein Standbein im Ostteil auszubauen.