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Medientage München: Zukunft zieht am deutschen TV vorbei

Medientage München: Zukunft zieht am deutschen TV vorbei

veröffentlicht am 29.10.2009 um 05:00 Uhr · Medien · Artikel

Deutschland ist bei der Entwicklung des europäischen Fernsehmarkts weit abgeschlagen. Zu diesem Schluss kommt der Marktforscher Niko Steinkrauß von Booz & Company aus Düsseldorf. Fernsehen über das Internet, das IPTV, habe hierzulande nur einen Marktanteil von einem Prozent, ein Fünftel des europäischen Schnitts. Mobiles TV werde nur zu vier Prozent genutzt, auch deutlich weniger als im Ausland, so die nüchterne Analyse aus der Studie "TV-Agenda Deutschland 2010+". Man habe die Online- und Mobile-Revolution bislang an sich vorbeiziehen lassen, so Booz. Wirtschaftskrise und Strukturwandel haben demnach den deutschen TV-Markt in der Mangel: "Die Digitalisierung führt zu einer starken Fragmentierung der Mediennutzung aber auch des Marktes. Trotz der Versuche der klassischen Medienanbieter, dem Zuschauer Angebote sowie Inhalte auf eigenen digitalen Plattformen wie Online-Mediatheken und Video-Channels bereitzustellen und auf Plattformen wie YouTube zu folgen, gelingt es ihnen bisher nicht zu wachsen oder gar ihre dominante Position der Vergangenheit zu halten", heißt es in der Analyse.

Wie Steinkrauß auf den Münchner Medientagen darlegt, sehen von seinem Unternehmen befragte Experten die Zukunft aber rosiger. Im Jahr 2015 werde nach Meinung von 89 Prozent der Experten Video on Demand stärker genutzt, 76 Prozent prophezeien dem EPG, dem elektronischen Programmführer, eine große Zukunft, 72 Prozent Fernsehinhalten auf dem iPhone. Der frühere RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma verweist dagegen darauf, dass Technik nicht überschätzt werden dürfe. ”Dem Zuschauer ist es egal, ob sich das ganze IPTV nennt oder sonst wie“, meinte er. ”Der größte RTL-Erfolg war: Wir haben den Zuschauer als Zielgruppe entdeckt. Entscheidend werden immer die Inhalte sein.“ Thoma sieht die Macher folgendermaßen auf die Krise reagieren: ”Früher sind den Managern die gebratenen Tauben in den Mund geflogen. Die Lösung ist: Sie werden den Mund noch weiter aufmachen.“

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