Marc Walder, Chef von Ringer Schweiz und Deutschland sieht das Heil der Verlage in der Diversifikation. Sein Unternehmen ist unter anderem im E-Commerce sehr aktiv. Daher hat Ringier nicht nur das Magazin "Cicero", sondern auch einen Krustenentferner sowie eine Bratpfanne im Angebot. "Meiner Meinung nach müssen Medienhäuser ihr Geschäft diversifizieren, um guten Journalismus finanzieren zu können", so Walder und zeigt sich angesichts der Bezahl-App-Euphorie der Verlage skeptisch. Einer Erhebung zufolge seien nur 70 Prozent der fünf Milliarden getätigten Downloads kostenpflichtig.

Ebenfalls in diversen Unternehmensfeldern tätig ist die WAZ-Mediengruppe. Geschäftsführer Christian Nienhaus, der beispielsweise die Telefonmarke "Wirmobil" eingeführt hat, sagt: "Was wir machen, ist wie nach Öl zu bohren; irgendwann werden wir die richtige Quelle finden." Ernüchternde Worte sprach Lars Hinrichs, Xing-Gründer und heute Executive Peak (was so viel heißt wie "Oberstreber", erklärte Moderator und stern.de-Chef Frank Thomsen) seiner Venture Capital Firma Hack Forward. Der millionenschwere Unternehmer würde sein Geld "keinesfalls in journalistische Projekte stecken".

Níenhaus warnte davor, das gedruckte Produkt als "Oldfashioned Medium" zu degradieren. Printprodukte hätten nach wie vor Charme. Auch Wolfram Weimer warnte: Es könne doch nicht sein, dass Print-Journalisten als "die letzten Rocker des Medienbetriebs" gesehen würden und plädierte dafür, dass Qualitätsjournalismus auch in der digitalen Medienwelt der Zukunft unverzichtbar bleibe. "Am Ende eines Lebens steht der Tod. Doch bis dahin zählt nur, was wir aus unserem Leben machen. Genauso sollten wir das mit Print halten", so Weimer. "Guten Journalismus abliefern und das Küssen nicht vergessen."


Autor: Lisa Priller-Gebhardt

Sie schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.