Übernahmespekulationen um Musikriesen EMI
Im weltweiten Musikgeschäft bahnt sich möglicherweise eine Mega-Übernahme an. Der US-Riese Warner Music will angeblich den Konkurrenten EMI schlucken - allerdings nicht im Alleingang.
Um den hoch verschuldeten Musikkonzern EMI schlagen die Spekukationen über eine bevorstehende Übernahme durch den amerikanischen Konkurrenten Warner Music hohe Wellen. Der amerikanischen Rivale will sich laut mehreren Medienberichten mit dem US-Finanzinvestor KKR verbünden, um ein Übernahmenangebot für den Briten zu unterbreiten. Offenbar soll hierbei auch der Gütersloher Medienriese Bertelsmann mitmischen. Er erwägt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters mit KKR zusammen, ein Angebot für EMIabzugeben. Bertelsmann lehnt auf Anfrage von W&V hierzu einen Kommentar ab.
EMI ist der weltweit viertgrößte Musikkonzern. Er vermarktet unter anderem Pink Floyd und die Beatles. Eigentümer ist der Londoner Finanzinvestor KKR. Er hatte 2007 den Musikkonzern übernommen. Seither hat der Investor aber wenig Glück mit seinem Investment. Große Künstler wie die Rolling Stones, Radiohead oder Snow Patrol verließen das Label, da sie sich unter der Ägide der Finanzinvestoren nicht gut behandelt fühlten. Dies blieb wirtschaftlich nicht ohne Folgen. Die CD-Verkäufe gingen zurück, die Verluste wuchsen drastisch. Der Konzern häufte deshalb im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust in Milliardenhöhe an. In der Führungsspitze kam es deshalb überraschend zu einem Wechsel: der bisherige EMI-Chef Elio Leoni-Sceti gab den Vorstandsvorsitz an Charles Allen ab, der bis Ende vergangenen Jahres den englischen TV-Kanal ITV leitete.
Ob es allerdings zu einem Verkauf von EMI kommt, ist noch unklar. Angeblich soll Allen dem Unternehmen einen harten Sanierungskurs unterziehen, bevor sich der EMI-Eigentümer von seinen Anteilen trennt. Sollte dies der Fall, könnte Bertelsmann hiervon profitieren. Die Gütersloher hatten im vergangenen Jahr KKR bereits als Kapitalgeber ins Boot geholt, um das Geschäft mit der Verwertung von Musikrechten aufzubauen. KKR übernahm 51 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen BMG Rights Management.
Mit einem Erwerb von EMI als Mitpartner könnte Bertelsmann das Musikgeschäft stärker ankurbeln und damit einen Ausgleich zu derzeit problembehafteten Geschäftszweigen wie dem Verlagshaus Gruner + Jahr schaffen. Denn die Hamburger Bertelsmann-Tochter leidet massiv unter dem Rückgang an den Anzeigenmärkten. Sie musste im vergangenen Jahr einen harten Restrukturierungskurs fahren, um die Ertragslage zu verbessern. So wurden mehr als 200 Millionen Euro eingespart. Dies erfolgte unter anderem auch über einen Stellenabbau, der Deutschland, Spanien und Frankreich traf. Zudem trennte sich die Verlagstochter von ihrem Rußlandgeschäft, das sie an den Konkurrenten Axel Springer abgab.