ZMG zu Aldis Anzeigenrückzug: „Kein Grund zum Aufschrei“
Aldi Süd will raus aus den Tageszeitungen und direkt rein in die Briefkästen, zumindest in Teilregionen. Doch für die ZMG geht die Werbewelt dadurch nicht unter.
Aldi Süd will direkt rein in die Briefkästen und kürzt dafür Tageszeitungen, zumindest in Teilregionen. Doch wie die ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft gegenüber W&V Online erklärt, gehöre das Überprüfen und Umschichten von Budgets zu den ganz normalen Usuancen des Mediageschäfts. Davon haben die Tageszeitungen gerade bei Norma und Ikea profitiert.
„Demnächst finden Sie den Aldi-Prospekt auch in Ihrem Briefkasten“, verkündet Aldi Süd derzeit den Kunden in seinen Münchner Filialen. Dahinter steckt der Ausbau der neuen Aldi-Vertriebsstrategie, die aber derzeit nur als Testlauf deklariert wird. Im vergangenen Jahr hatte Aldi Süd seine Zeitungswerbung in großen Teilen Baden-Württembergs auf Null gesetzt. Jetzt folgen der Großraum München und das Rhein-Main-Gebiet, wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtet. Nicht gerade kleine Kaliber für den Mühlheimer Discounter. Und erst recht nicht für die dortigen Verlage.
Lehrt Aldi die Tageszeitungen das Fürchten? Von einem Grund zum Aufschrei könne keine Rede sein, so die ZMG. „Vielmehr versucht Aldi Süd, mit den Tageszeitungsverlagen weiterhin zu kooperieren“ , heißt es bei der ZMG auf Anfrage von W&V Online. Das bedeutet: Statt Werbung in den Tageszeitungen zu schalten, sucht Aldi Süd nach neuen Vertriebskanälen zur Verteilung seiner Prospekte „Aldi informiert“. Und hier sind es vielfach wiederum die gleichen Tageszeitungsverlage, bei denen Aldi Großkunde war, die auch diese neuen Vertriebskanäle bedienen wie Verteilung via Anzeigenblätter oder ein verlagseigener Zustellservice. Die ZMG verweist auch darauf, dass aktuell laut Nielsen über 90 Prozent des Aldi-Etats in die Tageszeitungen fließe.
Beweggründe für den Werbe-Rückzug sind für Aldi offensichtlich nicht Sparmaßnahmen. Die Verteilung von Prospekten sei nicht günstiger als die Anzeigenschaltung, so die ZMG. Vielmehr gehe es wohl um den Ausbau der Reichweite. Bei Aldi Nord ist unterdessen noch alles beim Alten – dort regiert nach wie vor die ganzseitige Tageszeitungsanzeige.