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Erinnerungen an den Herbst 1989
Wo waren Sie, als die Mauer fiel? Ich war zu diesem Zeitpunkt als Student der Werbewirtschaft an der FH in Pforzheim.
Was haben Sie damals empfunden? Ich habe den Mauerfall über TV mitverfolgt und es war merkwürdig irreal und weit weg. Obwohl ich Berlin und die DDR kannte, hat sich mir die historisch-emotionale Dimension in diesem Augenblick nicht richtig erschlossen. Etwas, das ich mir bis heute nicht verzeihe.
Was hat die Wende für Sie persönlich und beruflich verändert? Die Wende hatte recht schnell persönliche Auswirkungen. Ich erinnere, dass ich bei einem Praktikum zu Beginn 1990 in Hamburg mit teilweise sehr lustigen Themen in Berührung kam, weil wir die Werbesprache für den Osten anders definieren mussten. Es gab sogar ein Wörterbuch Deutsch-Deutsch, das ich immer noch hüte. Nicht nur Begriffe der Ex-DDR wie Broiler oder Rennpappe waren sehr speziell. Auch die dortige Unkenntnis unseres schon sehr cleveren Werbisch machte Nebenkampagnen für die NDL (Neuen Deutschen Länder), wie sie damals hießen, notwendig. Das hatte was von Rendevouz unterm Nierentisch. Da meine erste Agentur ein Jahr später dann F6 und Caro betreute, blieb diese Thematik erhalten.
Die ersten Menschen, die ich dann privat oder im Job direkt kennenlernte, konnte man nicht an Dialekten oder Kleidung als Ossis erkennen, sondern an der Art, wie sie Themen verstanden oder behandelt haben. Das war manchmal ziemlich beeindruckend, weil viele Oberflächlichkeiten und Selbstverständlichkeiten des Westens so sichtbar wurden. Andererseits gab es auch Typen, die die besseren Wessis sein wollten, und damit furchtbar genervt haben.










