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Erinnerungen an den Herbst 1989

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Wo waren Sie, als die Mauer fiel? Ich war an diesem Abend des 9. November in einer Kneipe in Köln. Als ich nach Hause kam, sah ich nachts um halb zwei im Fernsehen die Leute auf der Mauer tanzen. Ich hatte wegen eines privaten Besuchs schon lange zuvor für den nächsten Tag einen Flug nach Berlin gebucht. Einen Tag nach dem Mauerfall stand ich dann auf dem Platz vor dem Schöneberger Rathaus, wo Willy Brandt und Helmut Kohl eine etwas schiefe Version des Deutschlandliedes anstimmten.

Was haben Sie damals empfunden? Ich habe da wenig in mich rein gehört, weil ich dann in Berlin in der aufregenden Situation ständig gearbeitet habe. Ich habe die ganze Zeit für SWF3, den heutigen SWR3, berichtet. Aber dann gab es eine Situation, die ich sehr bewegend fand. Ich hatte das unheimliche Glück, dass Willy Brandt mit kleiner Begleitung nachts um eins einen Grenzübergang passierte, an dem ich zufällig stand. Er schwebte. Er hatte eine Aura um sich, die es eigentlich verbat, ihn anzusprechen. Ich erinnere noch, wie ich mit mir gerungen habe, ob ich es dennoch tue. Und als pflichtbewusster Reporter habe ich es schließlich gemacht.

Was hat die Wende für Sie persönlich und beruflich bedeutet und verändert? Erstmal nicht viel. Abgesehen davon, dass ich im Osten viel Urlaub gemacht habe. Und jetzt bin ich viel in Berlin, weil wir die Sendung „hartaberfair“ sehr oft von dort aus machen. Eine spannende Stadt, gerade weil sie nicht mehr von der Mauer zerschnitten wird.

 
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