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Erinnerungen an den Herbst 1989
Wo waren Sie, als die Mauer fiel? Ich studierte damals in Frankfurt am Main, wohnte in einer Männer-WG und war noch spät auf dem Weg zu einem Geburtstagsfest. Obwohl wir natürlich alle die Montagsdemonstrationen und die sich zuspitzende Lage in der DDR mitverfolgten, habe ich nicht wirklich damit gerechent, dass die Mauer fällt. Ich spürte schon eine gewisse Unruhe auf der Straße, die Menschen riefen sich die Neuigkeiten zu - es gab ja noch keine Handys - und als ich in der Wohnung des Freundes ankam, waren alle mit Sekt vor dem Fernseher versammelt. Was dort lief, war surreal wie ein Hollywoodfilm: sich umarmende Menschen auf der Mauer und Trabis auf Westberliner Straßen. Den Abend werde ich nie vergessen! Allen war klar, dass wir einen historischen Moment miterleben.
Was haben Sie damals empfunden? Überraschung, aufrichtige Freude und - vielleicht empfindet man das erst im Nachhinein - auch ein bisschen Demut. Wie viele meiner Generation war ich zuvor mit meiner Schulklasse nach Berlin gereist. Die geteilte Stadt, im besonderen die Grenzübergänge und die Mauer fand ich furchtbar! Wir konnten uns gar nicht vorstellen, wie es ist, eingesperrt zu leben. Viele meiner Schulfreunde wollten schon damals nach dem Abitur im Ausland studieren - dieser Wunsch war für uns so selbstverständlich wie die Nike-Turnschuhe.
Was hat die Wende für Sie persönlich und beruflich bedeutet und verändert? Ich bin kurz danach für eine ganze Weile nach Argentinien. Damit verfolgte ich die Wiedervereinigung vom Ausland aus: Freude, Ernüchterung, Frust - eben keine schnellen blühenden Landschaften. Diese Diskussionen kam mir aus der Ferne so unglaublich kleinlich vor! Ich persönlich habe die Wiedervereinigung ausschließlich positiv erlebt. Berlin ist für mich eine der spannensten Städte weltweit geworden. Und beruflich? Gerade in internationalen Unternehmen wird nicht in West- und Ostdeutsch unterschieden, es spielt einfach keine Rolle.










