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Erinnerungen an den Herbst 1989
Wo waren Sie als die Mauer fiel? Am Abend des 9. November 1989 saß ich gemeinsam mit Freunden, darunter auch neu Gewonnenen aus der DDR, denen in den Wochen zuvor über Ungarn die Flucht in die Freiheit gelungen war, in meiner Stammkneipe in meiner niederbayerischen Heimatstadt. Ich erinnere mich, wie ein Freund unmittelbar nach der Tagesschau geräuschvoll hereinplatzte und uns freudig erregt zurief: "Die DDR hat die Grenze geöffnet."
Was haben Sie damals empfunden? Der Tag des Mauerfalls und damit der Anfang vom Ende der letzten Diktatur auf deutschem Boden zählt für mich bis heute zu den bewegendsten Momenten meines Lebens. Bei all dem Ärger über die leichtfertig und wahltaktisch vorschnell versprochenen "blühenden Landschaften", über den Soli, über die vermeintlich zu arroganten Wessis und die vermeintlich zu bequemen Ossis auf beiden Seiten des ehemaligen Eisernen Vorhanges hoffe ich, dass 20 Jahre Mauerfall zur Rückbesinnung darauf beitragen, was wirklich zählt: die mit größtem Mut selbst erkämpfte Freiheit von 17 Millionen Deutschen, das Ende der widernatürlichen staatlichen Trennung unseres Vaterlandes und die ungeheuere Aufbauleistung, die wir Deutsche in Ost und West gemeinsam in den letzten zwei Jahrzehnten vollbracht haben. Insofern hoffe ich auch, dass die Berufspessimisten und Dauernörgler sich am 9. November ebenso Urlaub nehmen wie die Geschichtsklitterer und Unrechtsstaatrelativierer.
Was hat sich dadurch beruflich und privat für Sie verändert? Viele wundervolle kleine Dinge. Darunter neue Freundschaften und dadurch neu eröffnete Blickwinkel und Horizonte. Oder die spannende Erfahrung, als Abgeordnetenmitarbeiter mit dem Parlament von Bonn nach Berlin umzuziehen, damals, 1999. Und auch meine spannende Berufsetappe bei Coca-Cola in Berlin wäre ohne den 9. November 1989 wohl kaum möglich gewesen.
(Das kleine Foto zeigt den frisch gebackenen Führerscheinbesitzer)










