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Erinnerungen an den Herbst 1989
Wo warst Du als die Mauer fiel? Ich stand am 10. November nachts in Berlin obendrauf. Umweht vom Atem der Geschichte.
Was hast Du damals empfunden? Ein wildes Glücksgefühl.
Wenige Tage später obsiegte für eine Weile eine ziemlich Genervtheit. Mein Alltag war eine zeitlang unlebbar geworden. In meine Bank kam ich nicht mehr rein, weil Begrüßungsgeld ausgezahlt wurde. In der U-Bahn zur Uni wurde ich fast auf die Gleise gedrückt, weil alles hoffnungslos überfüllt war. Mein Aldi an der Ecke, auf den ich als Studentin angewiesen war, war leer gekauft. Die Schlange davor ging wochenlang um zwei Blocks. Aber das alles war nichts im Vergleich zu dem was wir dann erleben durften. Die Stadt öffnete sich und es gab keinen aufregenderen Platz als Berlin nach der Wende. Ich habe zu der Zeit sehr, sehr wenig geschlafen.
Was hat die Wende persönlich und beruflich für Dich verändert? Durch die Wende wurde meine Familie wieder zusammengeschmiedet, denn die kommt ursprünglich aus dem Osten. Der Lebenstraum meines Großvaters, an den keiner außer ihm glaubte, hatte sich erfüllt. Wir haben ein riesiges Fest an der Ostsee gefeiert mit vielen alten Freunden und Verwandten. Das tun wir seitdem jedes Jahr wieder. Beruflich war Berlin kurz nach der Wende noch kein Ort zum Arbeiten. Es gab einfach keine ernst zu nehmenden Agenturen. Ich mußte weg. 2001 bin ich nach Berlin zurück gekehrt, angezogen von diesem besonderen Berlin-Magnetismus, und lebe und arbeite heute glücklich im Ostteil der Stadt.
Mein Foto von damals zeigt dieses schlimme 80er Styling und aus irgendeinem Grund sehr schlechte Laune. Wahrscheinlich wollte ich zu Aldi rein.










