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Erinnerungen an den Herbst 1989

Bild 5 von 10

9.11.1989 Ich sitze in meinem feuerroten Golf I, höre WDR 2 und Norbert Blüm sagen, dass nur Schlafmützen vom historischen Ausmaß heute nicht feiern, denke mir, der kleine Mann hat Recht, und fahre direkt in die Düsseldorfer Altstadt zur längsten Theke der Welt, um dort mit dem Rest der Stadt diesen Geburtstag des neuen Deutschlands zu feiern.

Was haben Sie damals empfunden? Die grenzenlose Freude der Masse auf, vor, über und neben der Mauer sprang direkt vom Fernseher auf mich über. Pure Freude, spürbares Glück und ein fröhlicher Rausch – weil es so schnell und überraschend kam. Wir haben wochenlang jeden Trabbi auf deutschen Straßen mit Hupkonzerten und Jubelorgien gefeiert.

Was hat die Wende für Sie persönlich und beruflich bedeutet und verändert? Meine erste Agentur Spiess, Ermisch & Abels beschloss, ein Büro in der „neuen“ Hauptstadt aufzumachen und lud 1990 die gesamte Agentur zwei Tage nach Berlin ein, in das erste Hotel am Platze in Ostberlin. Ein Blick aus dem gewöhnungsbedürftigen Zimmer zeigte, es war unvorstellbar, wie getrennt die Welten waren, wie neugierig wir Deutschen aufeinander waren und wie groß die Aufgabe der Einheit.
Deshalb freue ich mich auch nach Jahrzehnten Solidaritätszuschlag immer noch über unsere Einheit und darüber, dass der Rest der Welt Berlin für unsere Hauptstadt hält und nicht München.

(Das Foto zeigt Frank Dopheide zur Wendezeit alsTexttrainee vor seiner Agenturschreibmaschine GABRIELE)

 
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