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Erinnerungen an den Herbst 1989
Den Mauerfall empfand ich als hochemotional, - obwohl mir die geschichtliche Tragweite erst sehr viel später richtig klar geworden ist. Zu dem Zeitpunkt war ich noch als Marketingleiter bei dem mal gerade drei Jahre alten privaten Radiosender ffn und zugleich GF der Funk Kombi Nord mit Sitz in Hamburg. By the way, radio ffn hatte – glaube ich – die längste Grenze Deutschlands entlang der damaligen DDR (von der Ostsee bis nach Kassel).
Als die Mauer fiel, saß ich zu Hause in Göttingen, als mich die „Breaking News“ über Radio erreichte. Sofort wurde der Fernseher eingeschaltet, - obwohl es zu dem Zeitpunkt noch kaum TV-Bilder gab
Was haben Sie damals empfunden? Wie wahrscheinlich die meisten anderen auch war ich völlig überrascht, fassungslos. Am nächsten Morgen bin ich um sechs Uhr in den Sender gefahren. Dort haben wir in der Früh die Meldungen dann verifiziert und beschlossen, längs unseres Sendegebietes zur DDR an vier Stellen am Samstag – innerhalb von 24 Stunden - „Grenz-Öffnungsfeten“ direkt an den Schlagbäumen in Marienborn, Duderstadt (bei Göttingen) und in der Heide zu veranstalten. Wurstbude, Getränkewagen und eine „ffn-Band“ an jedem Standort sorgten bei einem ohnehin schier unbeschreiblichen Freudentaumel für eine Stimmung wie bei einem Familienfest unter allerbesten Freunden, wobei sich wildfremde Menschen reihenweise in die Arme fielen. Tausende von Trabis rollten Stostange an Stoßstange durch die offenen Befestigungen. Schon morgens um 10 Uhr waren z.B. Göttingen und Duderstadt völlig überfüllt. Darüber hinaus legten die Trabis reihenweise die Parkhäuser lahm, weil auf Grund deren stinkender Abgase die Feuerlösch-Anlagen der Parkhäuser alles unter Wasser setzten.
Was hat die Wende für Sie persönlich und beruflich bedeutet und verändert? Bereits ein Vierteljahr vor Mauerfall, als noch niemand den Zusammenbruch auch nur ahnte, hatte ich mit dem General-Indendanten des DDR-Rundfunks sowie einem gewissen Gregor Gysi vereinbart, dass die noch junge RMS den damaligen DDR-weiten Jugendsender DT 64 werblich vermarkten dürfte. Wir wurden von den Buchungen innerhalb kürzester Zeit förmlich überrannt….. – und innerhalb von vier Monaten vermarkteten wir dann komplett alle 13 regionalen DDR-Radio-Sender.
Dies half mir entscheidend, als sich nach der Wiedervereinigung die neuen privaten Radiosender (erster war Radio PSR in Sachsen) gründeten. Sie alle kamen zur RMS, so dass die RMS per Ende 1992 eine bundesweite Radiovermarktung incl der EX-DDR dem nationalen Werbemarkt anbieten konnte.
(Das Foto oben zeigt die Anfangs-Führungscrew von Fadio ffn drei Jahre vor dem Mauerfall. V. lks. Torsten Römling, Günther Drossart, Rainer Jankowski und Kuckuck)










