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20 Jahre Mauerfall: Erinnerungen an den Herbst 1989
Wo waren Sie als die Mauer fiel? Ach, das war für mich ein schwarzer Tag! Ich war zu der Zeit DDR-Korrespondent der Quick und auf Reportage in Karl-Marx-Stadt. Am Abend hörte ich Schabowskis geschichtsträchtigen Satz und sagte zu meinem Fotografen: Bevor wie morgen früh zurückfahren, machen wir noch Fotos von den Schlangen der Menschen, die bei den Dienststellen der Volkspolizei ihre Visa beantragen. Dass die Berliner sich trauen, noch in der Nacht die Grenze zu stürmen, damit hatte ich nicht gerechnet. Als wir am nächsten Morgen losfuhren, stand ein junger Mann am Straßenrand mit einem Pappschild in der Hand. Aufschrift: Ich will zum Ku`damm. Von ihm haben wir erfahren, was passiert ist und sind dann gemeinsam nach Berlin gefahren.
Was haben Sie damals empfunden? Erleichterung, Euphorie ungläubiges Staunen – ein totaler Gefühlsmix. Ich war von morgens bis Abend unterwegs und konnte die ersten Tage gar nicht richtig verarbeiten, was geschehen war. Vor allem, dass es so plötzlich geschah. Dass die DDR am Ende war, konnten wir, die wir in der DDR als Korrespondenten arbeiteten, täglich beobachten. Auch, dass sich die Menschen abgewendet hatten und die Faust in der Tasche geballt hatten. Spätestens seit Gorbatschow in den Westmedien mit seinem berühmten Satz zitiert worden war "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", gab es keinen Aufschub mehr für Honecker & Co. Das spürte man deutlich.
Später dann, als der Polizeiposten vor meinem Büro plötzlich nicht mehr zum Dienst kam, als die Mauer Stück für Stück aufbrach, als die Grenzposten keine Visa-Stempel mehr in dem Pass drückten, als ich Freunde aus dem Osten in den Westen einladen konnte, erst dann machte sich ein Gefühlsgefühl breit. Endlich vorbei mit den Repressionen, mit dem Unrecht!
Was hat sich beruflich und persönlich für Sie verändert? Die Wende hat mir beruflich eine riesige Chance geschenkt. Ich hatte das große Glück, mich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung aus der Korrespondentenzeit zunächst maßgeblich bei "Super Illu" einbringen zu können. Ich kannte die Menschen in den neuen Ländern, ihren Alltag, ihren Blick auf die Dinge des Lebens. Und auch meine derzeitige Arbeit bei "Guter Rat" hat letztlich etwas mit der Wende zu tun. "Guter Rat" ist ein Traditionstitel, der älter ist als die DDR (gegründet 1945), aber während der DDR als Bückware sehr begehrt war. Heute ist "Guter Rat" auch im Westen die Nr. 1 der IVW-Wirtschaftstitel. Guter Rat ist es als einzigem Titel gelungen, sich in Ost und West entsprechend der Bevölkerungsverteilung eine Leserschaft aufzubauen. Praktizierte publizistische Wiedervereinigung sozusagen.










