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20 Jahre Mauerfall: Erinnerungen an den Herbst 1989
Seit Wochen verfolgte ich die Geschehnisse in der DDR, die Montagsdemonstration, den Aufstand der Bevölkerung, Wir sind das Volk.
Am Abend des 09. November kam ich nach Hause und hörte von der Grenzöffnung. Ich konnte es kaum glauben. Ich dachte an die Verwandtschaft meines Mannes, die in Thüringen lebte. Was mochten sie jetzt wohl empfinden, angesichts der Gelegenheit, endlich die Schwester in der BRD besuchen zu können. Wann würden sie diese Möglichkeit nutzen ?
Fragen, Gedanken, Gefühle überschlugen sich. Als ich am darauffolgenden Morgen zur Arbeit fuhr, sah ich den ersten Trabbi über die Autobahn rollen. Es war also tatsächlich wahr ! Freitag Abend beschlossen mein Mann und ich, zur thüringischen Grenze zu fahren, um seinen Onkel und seine Tante abzufangen, falls sie in den Westen kamen. Wir fuhren auf gut Glück, denn Kontakt konnte man mit der Bevölkerung in der DDR noch nicht aufnehmen.
Vier Stunden standen wir am Grenzposten, ein nicht endenwollender Trabbi Strom zog gen Westen. Fremde Menschen fielen sich in die Arme, jubelnd, schluchzend, noch nicht wirklich realisierend, was in den letzten Tagen geschehen war. Endlich sahen wir das Auto des Onkels und dann entdeckten sie uns auch. Die Freude war unbeschreiblich. Wir fuhren mit Onkel und Tante nach Mellrichstadt, der nächst gelegenen Stadt im Westen. Die Bewohner hatten Tische vor ihren Häusern aufgebaut und verteilten Plätzchen, Kuchen, Kaffee und Glühwein.
Für mich war die Grenzöffnung ein persönliches, politisches und zwischenmenschliches Erlebnis, das in die Geschichtsbücher eingeht. Ich bin dankbar, dass ich so hautnah dabei sein durfte.










