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"Unternehmen müssen ehrlicher und offener sein"
René Schuster, seit knapp einem Jahr Chef von Telefónica O2 Deutschland, sieht sein Unternehmen als Angreifer im Telekommunikations-Markt. Dafür hat er sich vor kurzem den DSL-Anbieter Hansenet und seine Marke Alice zugelegt. Wann Alice das Ende droht und o2 als alleinige Marke übrig bleibt, ist laut dem CEO noch nicht endgültig entschieden. Doch nicht nur der kürzlich getätigte Einkauf und die unmittelbarern Konkurrenten Vodafone sowie die Deutschen Telekom beschäftigen Schuster. Wie es um sein Verhältnis zu den Internet-Giganten steht und welche Hoffnung er in das mobile Internet setzt, erklärt Schuster im W&V-Interview.
W&V Herr Schuster, Sie sehen ihr Unternehmen als Angreifer im Telekommunikationsmarkt, haben ehrgeizige Ziele. Und unter einem Wachstumsmotor verstehen Sie auch das Thema mobiles Internet?
René Schuster Ich war vor wenigen Wochen im Silicon Valley und habe mich mit Investoren getroffen. Die Leute haben mich schockiert, als sie sagten: „Das Internet ist tot.“ Ich habe gefragt, von was redet ihr? Die Antwort war: „Die Zukunft ist das mobile Internet.“ Weil die Preise nun günstig sind und Google oder Microsoft ihre Produkte genau darauf fokussieren.
W&V Manche Silicon-Valley-Auguren sehen aber die Telkos zukünftig nur als Betreiber einer teuren Infrastruktur. Das Geld könnten andere manchen, Google, Facebook oder Apple.
Schuster Ich denke, hier findet ein Umdenken statt. Es wird in Zukunft Partnerschaften geben, die heute noch nicht existieren. Zuletzt war ich bei Google, Apple und Facebook. Mit diesen Unternehmen gibt es eine vernünftige Diskussion, sie versuchen besser zu verstehen, wie unser Geschäft tickt. Auch Initiativen der Netzbetreiber schieben neue Geschäftsmodelle an: Im Februar haben sich etliche große Unternehmen der Telekommunikationsindustrie zur „Wholesale Application Community“ (WAC) zusammengeschlossen, auch Telefónica. Wir wollen gemeinsam einen einheitlichen Standard und eine Plattform für Apps entwickeln.
W&V Apple demonstriert jedoch wiederholt – nun auch mit dem iPad – wie stark das Unternehmen den App-Markt dominiert und die Bedingungen diktiert. Sie bieten trotzdem einen iPad-Tarif an.
Schuster Unsere Strategie heißt: Der Kunde entscheidet selbst, was für ihn wichtig ist. Telefónica O2 vertritt diese Philosophie, gerade weil wir die Rolle des Angreifers im Mobilfunk-Markt übernehmen.
W&V Doch was bleibt am Ende für die Telkos übrig?
Schuster Unser Geschäft entwickelt sich gut: Umsatz und Ergebnis steigen, das sehen Sie auch an unseren Geschäftszahlen, die wir in der letzten Woche veröffentlicht haben. Schon jetzt macht bei O2 das mobile Internet 14 Prozent des Serviceumsatzes aus. Und der Anteil steigt noch. Telefónica entwickelt Strategien, arbeitet an Pilotprojekten, investiert und geht Kooperationen ein. Es gab in unserem Geschäft noch nie eine einzige Antwort auf alle Fragen, wir reagieren viel mehr flexibel auf neue Herausforderungen. Wir haben beispielsweise eine technische Partnerschaft mit Facebook und entwickeln zusammen Ideen. Wir wollen besser verstehen, welche Kapazitäten die Netze haben und wie viele Applikationen Kunden dauerhaft nutzen wollen. Telefónica wird die Antworten finden.
W&V Das mobile Internet ist Ihre große Umsatz-Hoffnung. Doch sie müssen noch weitere neue Erlösquellen finden.
Schuster Als internationaler Konzern testet Telefónica in verschiedenen Ländern Anwendungen. So starteten die Spanier früh mit dem Internet-Fernsehen IPTV, Tschechien ist wiederum im E-Health-Bereich sehr stark, andere Ländergesellschaften dagegen bei Social Media. Davon können wir lernen. Als weitere Geschäftsfelder sehe ich auch Mobile Marketing und Mobile Payment.
W&V Eine Strategie könnten Kooperationen sein. Die Bundesnetzagentur hat dies beim Glasfasernetzausbau angeregt.
Schuster Dem stimmen wir zu. Nicht jeder einzelne Konzern kann einen eigenen Glasfaseranschluss in die Haushalte legen.
W&V Laufen Gespräche?
Schuster Dazu gibt es noch nichts Spruchreifes.
W&V In Zukunft werden also immer mehr Zwangskooperationen zwischen Wettbewerbern den Telko-Markt bestimmen?
Schuster Hierfür gibt es das englische Wort Coopetition, also Konkurrenz und Kooperation vereint. Um aus Investitionen den größtmöglichen Gewinn zu erzielen, stehen Sie mit ein und demselben Unternehmen mitunter im Wettbewerb und in einer Partnerschaft.
App Redakteur











