Medientage: Das waren die Aufreger 2007
Schon vergessen? Die Medientage 2007 standen im vergangenen Jahr unter dem Motto "Media Yourself - Wie das Internet Medien und Gesellschaft verändert". Wie sich die Medien im Internet kannibalisieren und wieweit ZDF und ARD mit ihren Informationsangeboten gehen dürfen waren nur zwei der brennenden Themen, die diskutiert wurden. Da war manch provokative These zu hören. Hier einige Beispiele:
- Der damalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sprach sich gegen einen Einstieg ausländischer Staatsfonds in der deutschen Medienwirtschaft aus. "Staatsfonds sollen nicht die Meinungsbildung in unserem Staat beeinflussen", sagte Beckstein zum Auftakt der Münchner Medientage 2007. "Eine Neuausrichtung des Funktionsauftrags tut Not." Vor allem wenn es um die Expansion der öffentlich-Rechtlichen auf digitalen Verbreitungswegen gehe.
- Auch Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) sorgte für Zündstoff, indem er im Grußwort seine Einschätzung betonte, "dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst keinen Gefallen tut, wenn er mitten in einem laufenden Findungspro-zess weiterhin Fakten schafft, weil das Ganze dann letztlich erneut vor der EU-Kommission landen wird".
- Dann gingen die ewigen Kontrahenten aufeinander los: Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), bezeichnete das Internet als eine "dritte Programmsäule des öffentlich-rechtlichen Systems", die private Anbieter im Online-Markt gefährde. ZDF-Intendant Markus Schächter und der ARD-Vorsitzende Fritz Raff hielten dagegen: Das World Wide Web sei nur eine neue Plattform für bereits vor-handene Inhalte und würde von den öffentlich-rechtlichen Anbietern lediglich für programmbegleitende Angebote genutzt.
- Der nächste Schlagabtausch folgte beim Mediengipfel: Dort wurde über das Verfahren des so genannten Public-Value-Tests diskutiert, mit dem ARD und ZDF spätestens ab 2009 den gesellschaftlichen Mehrwert neuer digitaler Angebote nachweisen sollen. Die Intendanten Schächter und Raff betonten, bei dem neuen Verfahren würden auch die Einschätzungen der privatwirtschaftlichen Konkurrenz berücksichtigt, die Ent-scheidung aber müsse schließlich allein bei den Fernseh- bzw. Rundfunkräten liegen. VPRT-Präsident Doetz nannte das Vorgehen beim bereits freiwillig vollzogenen Public-Value-Test für die neue ARD-Mediathek "einen Witz", weil dabei statt auf eine Stellungnahme seines Verbandes lediglich auf eine VPRT-Presseerklärung zurückgegriffen worden sei.
Auch das Bußgeld für die privaten Sender war ein heißes Eisen: Denn erst kurz zuvor mussten RTL Group und ProSiebenSat.1 Media AG hohe Bußgelder akzeptieren, um ein Verfahren des Bundeskartellamtes wegen möglicher Rabatt-Absprachen im TV-Werbemarkt zu beenden. RTL-Chefin Schäferkordt, deren Unternehmen 96 Millionen Euro zahlen musste, nannte dies "kein Schuldeingeständnis", sondern ein "pragmatisches Vorgehen". Der damalige ProSieben-Sat.1-Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch sagte nichts zu dem Bußgeld in Höhe von 120 Millionen, das seine Sendergruppe wegen so genannter Shared-Deals bei der Vermarktung von Werbezeiten zahlen musste.
Schobelt Redakteur








