Ralf Hirt: "Die multipolare Salonkultur"
Die Zukunft wird uns Elemente der Vergangenheit zurückbringen. Die digitale Vernetzung und Technologie-Evolution ist dabei, die Strukturierung von Informationen durch herkömmliche Kanäle aufzulösen. Spezialisten und Kompetenzpole sind heute Publisher und lassen die Fülle der Inhalte anschwellen. Sie wird jedoch wohl nicht so unorganisiert wie heute bleiben. Denn nach dem Shift zur Mediensouveränität des Einzelnen sucht dieser zunehmend wieder nach Gebündeltem, nach der kollektiven Erfahrung aus unterschiedlichen Quellen.
Das neue Kollektive erschafft er dabei selbst: Seine Interaktion mit Inhalten und Menschen formt die Strukturierung von Informationen. Solche „Tribes“, zusammengehalten von Themen und persönlichen Verbindungen, sind zu klein und zu instabil für das Wort „Zielgruppe“. Außerdem zielen die Tribe-Angehörigen selbst auf etwas ab: Die erfolgreiche Organisation ihrer medialen Identität, ihrer Überzeugungen und nicht zuletzt ihres Konsums.
Erfolgreiche Markenkommunikation 2020 wird sich wohl genauso organisieren müssen. So wird die Kommunikation für Premiummarken zwar weiterhin von Medienmarken geschaffenen Content einrahmen. Darüber hinaus wird sie aber zunehmend nach Clustern organisch gewachsener Inhalte suchen, um sich mit den Themen darin zu verbinden und sie sogar zu moderieren.
Interessant wird dabei sein, wie sich Kooperation als Tugend monetarisiert, sprich: wie Unternehmen mit den Einflussnehmern der weltweit nomadisierenden Tribes kommunizieren werden. Wie schaffen sie die Brücke vom Globalen zum Lokalen? Wie kommen sie mit Influencern ins Gespräch und wie machen sie sich und ihre Marken zu multipolaren Akteuren? Antworten auf diese Fragen könnte das Marketing in der gesellschaftlichen Salonkultur finden, wenn es sie dann wieder gibt.
Otto Redakteur







